Wir haben bei Schulen im Schwalm-Eder-Kreis nachgefragt

Kein grundsätzliches Handyverbot mehr an Schulen in Hessen: Funktioniert das?

Fritzlar/Homberg. Während in Bayern das Handyverbot an Schulen zuletzt heiß diskutiert wird, dürfen in Hessen die Schulen für die Nutzung der Smartphones eigene Regeln aufstellen. Doch funktioniert das überhaupt?

Wir hörten uns in einigen Schulen des Kreisteils um. Deutlich wurde: Ein generelles Handyverbot bezeichnen die Schulleiter als wenig sinnvoll.

„Ja, es funktioniert“, sagt Dr. Ulrich von Nathusius auf die Frage nach den aktuellen Regeln zum Handygebrauch und greift in die Taschen seines Jacketts. Heraus zieht der Leiter der König-Heinrich-Schule (KHS) in Fritzlar zwei Smartphones. Der 65-Jährige grinst. „Ich habe sie heute Morgen zwei Schülern abgenommen.“

Davon hält Dieter Goldmann von der Homberger Erich-Kästner-Schule (EKS) wenig. „Wir nehmen den Schülern das Handy nicht ab. Smartphones kosten ja manchmal mehr als 1000 Euro. Da wäre es nicht gut, wenn dem Lehrer so ein Gerät aus der Hand fällt oder es verschwindet.“ An der König-Heinrich-Schule hat man für diese Fälle vorgesorgt. Wird dort ein Telefon abgenommen, kommt es in den Safe, zudem wird das Ganze auf einer Liste vermerkt. „Wenn doch mal was passiert, greift die Versicherung der Schule“, erläutert von Nathusius.

In einem Punkt sind sich die Pädagogen aber einig: Ein generelles Verbot sei sinnlos. „Bei uns gibt es viele Schulkinder mit Migrationshintergrund“, berichtet EKS-Chef Goldmann, „Eltern ist es nach einer Flucht auch wichtig, dass sie mal eine Nachricht bekommen, dass es ihren Kindern gut geht. Das ist völlig in Ordnung.“

An der Erich-Kästner-Schule, einer Haupt- und Realschule mit Förderstufe, dürfen die Schüler in den Pausen ihre Geräte auch zu privaten Zwecken nutzen. Das ist an dem Fritzlarer Gymnasium ein Privileg der Oberstufenschüler, die das Smartphone aber nur in bestimmten Bereichen nutzen dürfen.

Im Unterricht werden diese „Helfer in der Not“ an beiden Bildungsstätten eingesetzt: Während von Nathusius die Smartphones vorrangig als Wörterbuch-Ersatz in Englisch verwendet, will Goldmann seine Schüler in erster Linie auf das Berufsleben vorbereiten: „Informationen hinsichtlich des Ausbildungsangebots werden oft über das Internet verbreitet. Da muss man wissen, wie man auf diese Seiten gelangt – auch mit dem Smartphone.“

Das durften 2016 laut einer Studie des „Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest“ in Stuttgart ohnehin 94 Prozent der befragten Schüler mitnehmen, wenn es in die Schule ging.

Doch was machen diejenigen, die kein geeignetes Mobiltelefon haben? Während sie an der Homberger Schule Tablets nutzen können, vertraut der 17-jährige Ben Schönewald an der KHS auf die Ausrüstung seiner Mitschüler. „Ich kann mit meinem alten Handy gerade mal telefonieren. Im Notfall können mir ja andere helfen“, sagt der Dreizehnt-Klässler und lächelt.

Quelle: HNA

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