Es war kein leises Servus

Schwedhelm hat Vorsitz des SPD-Stadtverbandes aufgegeben

Abschied vom Amt mit lachendem Gesicht: Helmut Schwedhelm wurde hoch geehrt, rechts Dr. Fabio Longo. 1 Foto: privat/1 HNA-Archiv

Schwalmstadt. Nach beinahe 13 Jahren als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Schwalmstadt ist Helmut Schwedhelm nicht mehr zur Wahl angetreten. In einer bewegenden und engagierten Rede - die mehrfach von Applaus unterbrochen wurde - verabschiedete er sich von den Delegierten und Gästen.

Schwedhelm gibt den Vorsitz ab, weil ihm aufgrund seiner Erkrankung die Kraft dafür fehle. Der 50-Jährige leidet an der seltenen Muskellähmung ALS, Amyotrophe Lateralskleose (wir berichteten).

Mit scharfem Blick und gewohntem Wortwitz, so Geschäftsführer Burkhard Walz, ließ er die Politik der SPD in Schwalmstadt Revue passieren - „wobei er durchaus auch selbstkritische Töne nicht aussparte“. Unter anderem habe der scheidende Vorsitzende an die Bürgermeisterwahlen erinnert, in denen der Kandidat der SPD, Dr. Fabio Longo, letztendlich unterlag. Mit ihm, der zu den Ehrengästen im DGH Frankenhain zählte, verbinde Schwedhelm seit diesem aufreibenden Wahlkampf eine tiefe und aufrichtige Freundschaft.

Der amtierende Bürgermeister liefere nun einiges, an dem man sich abarbeiten könne, meinte Schwedhelm, und verteilte Seitenhiebe. Es gehe auffällig um die schlanke Verwaltung - „so schlank, dass der Konsolidierungsplan der SPD von diesem Bürgermeister gescholten wird, weil wir nicht genug Vorschläge zum Sparen unterbreitet hätten“. Laut Schwedhelm kommt „von dem selben Bürgermeister aber keine einzige Idee“. Aus der Ankündigung, binnen 100 Tagen das Rathaus auf den Kopf zu stellen, sei nichts geworden, „wir müssen uns auch trauen, das zu sagen“. Weiter kritisierte der 50-Jährige, dass der Stadtchef „derzeit Jugendpolitik über die Möglichkeiten der Räumlichkeiten“ betreibe. „Allein die letzte Sitzung des Sozialausschusses hat ein Gefühl erzeugt, dass man sich als Sozialdemokrat schütteln muss“, wird Schwedhelm zitiert.

Philosophisch wurde er, als er darüber sprach, dass die Politik bekanntlich nicht wirklich für echte Freundschaften geeignet sei, doch habe er mit so manchen politischen Gegnern großen gegenseitigen Respekt und auch Freundschaften erlebt. Dafür sei er sehr dankbar.

In einer bewegenden Zeremonie, so Walz‘ Schilderung, wurde Schwedhelm durch den Vize-Unterbezirksvorsitzenden Björn Spanknebel die Willy-Brandt-Medaille verliehen. Spanknebel wurde dabei von Vize-Landrat Winfried Becker assistiert.

Nach der Zeremonie bestimmten die Delegierten einen neuen Vorstand.

Als neuer Vorsitzender wurden Daniel Helwig mit 35 Stimmen von 36 Delegierten gewählt. Zu seinen Stellvertretern wurden Regine Müller, Helmut Balamagi und Patrick Gebauer gewählt. Daniel Helwig ist 38 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Treysa. Helwig ist evangelisch-kommunaler Jugendarbeiter in Schrecksbach sowie Mitarbeitervertreter im Kirchenkreis Ziegenhain. (red)

Quelle: HNA

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