Karl Lepper, Seniorchef des Hotel Zum Stern in Oberaula, wird morgen 80

Kein Mann großer Worte

Bei einer Tasse Kaffee den Moment genießen: Auf dem kleinen Sofa im Foyer des Hotels „Zum Stern“ nimmt Seniorchef Karl Lepper gerne Platz. Foto: Marth/nh

Oberaula. Es ist ein harmonisches Bild. Der dunkle Anzug und die weinrot-schwarze Krawatte passen perfekt zur edlen Einrichtung. Die Kuchenkrümel auf dem kleinen weißen Teller vor ihm lassen ahnen, dass er schon eine Weile im Foyer des Hotels „Zum Stern“ in Oberaula sitzt. Keine Frage, hier fühlt sich Karl Lepper wohl. Hier gehört er hin.

80 Jahre wird der Hotelier am morgigen Sonntag alt. 80 Jahre, in denen er nicht nur eine Menge erlebt, sondern auch ein Vier-Sterne-Hotel geschaffen hat, das weit über die Kreisgrenzen hinaus einen Namen hat. Ob er stolz ist, auf das, was er erreicht hat? „Och ja, man ist schon stolz drauf“, sagt er leise, wirkt dabei aber fast ein wenig schüchtern. „Aber das müssen sie doch nicht schreiben!“

Rundgang mit Erinnerungen

Karl Lepper ist kein Mann der großen Worte. Statt im Foyer herumzusitzen, möchte er sein Hotel lieber zeigen und die Geschichten der einzelnen Bereiche erzählen. Im April ist es genau 50 Jahre her, dass Karl Lepper die damals kleine Gaststätte von einem Onkel übernimmt. Fünf Tische und drei Gästezimmer hatte er fortan zu bewirtschaften, die anderen Räume des Gebäudes waren verpachtet. „Ein Zahnarzt, ein Metzger und ein Eisenwarenhandel waren hier mit drin“, erinnert sich der Hotelier. Im Laufe der Jahre kauft Karl Lepper nach und nach auch umliegende Gebäude und baut das Hotel kontinuierlich aus. 1966 folgen die Erweiterung der Gaststätte auf 120 Plätze und der Bau der Kegelbahn, sechs Jahre später der Ausbau des Gästehauses und die Errichtung des Schwimmbads und der Sauna. Karl Lepper hat etwas gewagt. „In der Richtung waren wir nie ängstlich“, erklärt er heute, „man hat sich dann mit dem Architekten unterhalten, und vier Wochen später ging es los.“ Anpacken statt leerer Worte – für den Hotelier ist das stets die Devise gewesen. So auch als einmal der Kranführer ausfällt: Lepper fackelt nicht lange, er setzt sich selbst ins Führerhaus.

Auch über die Grenzen seines „Sterns“ hinaus zeigt Karl Lepper im Laufe der Jahre Einsatz. Lange Zeit ist er Vorsitzender des Verkehrs- und Gewerbevereins Oberaula, im Tourismusbereich engagiert er sich zudem für die gesamte Region. Engagement und Initiative sind stets mit seinem Leben verknüpft – und selbst heute, mit fast 80, kann er nicht aus seiner Haut.

Seit fünf Jahren leitet zwar Tochter Elke das Hotel, doch auch Vater Karl ist täglich im Haus unterwegs. Zum Anpacken im Garten, beim gekonnten Smalltalk mit den Gästen, oder einfach zum Verweilen, um den Moment zu genießen. So wie jetzt, nach dem Rundgang über das Gelände. Auf dem Tisch, auf dem eine Stunde zuvor noch der Kuchenteller stand, findet sich nun eine Tasse duftender Kaffee. Genussvoll nimmt er den ersten Schluck. Und wieder lässt das Bild keinen Zweifel: Karl Lepper ist zu Hause. Hier fühlt er sich wohl. (nh)

Von Kristina Marth

Quelle: HNA

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