33-Jähriger sollte ungünstigen Handy-Vertrag weiter erfüllen

Kein Pardon: Telekom ließ Behinderten blechen

Schwalm-Eder. Über Monate bestand die Telekom auf einem moralisch fragwürdigen Geschäft. Ein 33-jähriger geistig Behinderter aus Treysa hatte im örtlichen Telekom-Shop mit dem „DSL Call & Surf Comfort Plus“ einen der teuersten DSL-Tarife abgeschlossen. Viele Briefe und Anrufe seiner gesetzlichen Betreuerin bewegten den Konzern nicht dazu, den Vertrag auf einen günstigeren Tarif umzustellen. Als sich jetzt die Schwälmer Allgemeine einschaltete, ruderte die Telekom zurück.

Im Dezember 2009 war dem Mann der Tarif verkauft worden. Anschließend standen bis zu 120 Euro auf den Rechnungen des Hephata-Bewohners, der nach Aussage seiner Betreuerin Anna Neumann nicht in der Lage ist, seine Telefonkosten zu kontrollieren. Das ist viel Geld für jemanden, der inklusive seines Lohn von Hephata 359 Euro zum Leben hat. „Er ist seit der Geburt geistig behindert, er versteht nicht, was für einen Vertrag er abgeschlossen hat. Ihm hätte so etwas nicht angeboten werden dürfen“, sagt Neumann.

In der Grundgebühr kostet der Vertrag 45 Euro. Weil der 33-Jährige die Konditionen nicht verstand und viel mit dem Handy telefonierte, zahlte er Monat für Monat hohe Summen. Als im Februar 2011 Anna Neumann als gesetzliche Betreuerin eingesetzt wurde, nahm diese sich des Problems an. Drei Briefe waren nötig, bis sich die Telekom zu ihrem Anliegen äußerte. Die Antwort: Der Tarif könne nicht umgestellt werden, der Vertrag laufe bis Ende 2011.

Rechtlich ist die Telekom auf der sicheren Seite. Der Vertrag ist gültig, weil die Geschäftsfähigkeit des Behinderten vom Richter nicht eingeschränkt wurde. Ein solches Verfahren würde Monate dauern, sagte Neumann. „Aber in dem Fall kann man Kulanz erwarten“, sagt Neumann. Nach Beginn der HNA-Recherchen änderte die Telekom den Tarif und bedauerte, dass der „Ermessensspielraum für eine Umstellung nicht früher genutzt wurde.“

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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