Die Ex-Terroristin Astrid Proll diskutierte mit Schülern der Theodor-Heuss-Schule

Die RAF war kein Verein

Zeitgeschichte zum Anfassen: Astrid Proll berichtete den Schülern der Theodor-Heuss-Schule von den Studentenprotesten der 1960er-Jahre und der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Alle Fotos: Rissmann&Trolp 

Schwalm-Eder. Studentenproteste, 68er-Bewegung, Rote Armee Fraktion (RAF) – diese Schlagworte der jüngeren deutschen Geschichte haben für Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 der Theodor-Heuss-Schule ein Gesicht bekommen.

Astrid Proll, Mitbegründerin der RAF, war als Rednerin eingeladen und diskutierte mit den Schülern über die studentische Heimkampagne in den 1960er-Jahren. Die Studentenproteste richteten sich damals auch gegen die strengen und autoritären Erziehungsmethoden in Kinderheimen.

„Die RAF ist kein Verein, aus dem man ein- oder austreten kann.“

Astrid Proll

„Damals gab es noch eine andere Bundesrepublik“, sagte sie. Schwangere Mädchen, uneheliche Kinder und Scheidungskinder seien sehr gefährdet gewesen, in so einer Einrichtung zu landen. „Wir haben den Jugendlichen gezeigt, dass sie nicht Schuld sind, sondern das System.“ Viele Heimkinder, auch aus Wabern, Rengshausen und Guxhagen, seien damals mit den Studenten geflohen und bei ihnen untergekommen. „Bei allen Fehlern der RAF, aber das war ein positiver Erfolg“, sagte die 63-Jährige.

Auch das heute die jungen Leute so frei Leben können, habe man dieser Zeit zu verdanken. Diese Zeit ist auch die Zeit der Gründung der RAF. „Ich bin quasi ein Gründungsmitglied“, sagte sie, wich ansonsten dem Thema aber geschickt aus.

Doch ließen die Schüler nicht locker und hakten nach: Ob sie an Anschlägen beteiligt war? Wie die Zeit im Gefängnis war? Ob sie sich von der RAF distanziert habe? Sie bombardierten Proll regelrecht mit Fragen.

Die Gefängniszeit sei hart gewesen, vor allem da man als Terrorist isoliert wurde, sagte sie. Aber habe der Knast sie auch davor bewahrt tiefer in die RAF hineinzurutschen. „Sonst wäre ich heute bestimmt tot.“

Ob sie sich von der RAF distanziert habe, ließ Astrid Proll offen: „Die RAF ist kein Verein, aus dem man austreten kann.“

Von Diana Rissmann und Eva Trolp

Quelle: HNA

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