Gerücht hält sich hartnäckig

Keine Chance für Habichtswalder Ortsumgehung

Habichtswald. Es ist über 40 Jahre her, dass Habichtswald eine Ortsumgehung bekommen sollte. „Eine Erneuerung dieser Forderung hat es seitens der Gemeinde nie gegeben“, sagte Bürgermeister Thomas Raue. Anlass seiner Aussage ist ein Gerücht, das sich seit einigen Wochen hartnäckig hält.

Es suggeriert, eine Umgehung sei nach wie vor aktuell. „Dem ist nicht so“, stellte Raue jetzt klar. Er räumte allerdings ein, dass die Sachlage verworren sei. Im Oktober vergangenen Jahres war das Thema wieder aufgekommen, als Hessens damaliger Wirtschaftsminister Florian Rentsch eine Liste geplanter und noch offener Bauprojekte für Ortsumgehungen präsentierte. In dieser Liste tauchte die Ortsumgehung der B 251 für Ehlen und Dörnberg auf; sie ist enthalten im Bundesverkehrswegeplan. Bereits im Jahr 2008 hatte die Gemeinde in einer Stellungnahme dem Regierungspräsidium Kassel (RP) mitgeteilt, dass das Projekt aus dem Plan gestrichen werden könne. Anfang 2009 erklärte das RP schließlich, dass ein völliges Entfernen nicht möglich sei – zunächst müsse die Maßnahme von Kategorie II herabgestuft werden in Kategorie III. Aktuell ist die Ortsumgehung ein Vorhaben „mit der geringsten Priorität“, so der Rathauschef. Mit dem Regierungswechsel hat Tarek Al-Wazir den Posten Rentschs übernommen. Beide lieferten sich zuletzt immer wieder Schlagabtausche. Während Rentsch die Liste im Bundesverkehrswegeplan für realistisch hält, nennt sie der neue Minister utopisch.

Es sei unbestritten, dass die Verkehrsbelastung für die Anwohner der Kasseler Straße in Ehlen und der Wolfhager Straße in Dörnberg groß sei. Unbestritten sei auch, dass mit steigendem Verkehrsaufkommen, die Lebensqualität sinke, so Raue. Allerdings sei eine Ortsumgehung keine Lösung. Als Mitglied der Lenkungsgruppe für die Ortsumgehungen Breuna und Calden habe er mitbekommen, wie das Land Hessen trotz schwierigster Verhältnisse reagiert. „Nämlich gar nicht.“ So habe die Gemeinde Breuna vom Land das Angebot erhalten, die Umgehung vorzufinanzieren und in zehn Jahren die Kosten erstattet zu bekommen. Auf den Zinsen für den Kredit wäre Breuna allerdings sitzen geblieben. Für Calden sei gar keine Hilfe in Aussicht gestellt worden. Zwar habe das Land den Flughafen gewollt, meint Raue, über den Verkehr, den das Bauwerk möglicherweise nach sich ziehen werde, mache sich Hessen keine Gedanken. Die Chance auf Landesmittel für eine Ortsumgehung in Habichtswald schätzt der Verwaltungschef aussichtslos ein. Außerdem könne diese Trasse gar nicht gebaut werden, ohne in Dörnberg die Toilettenanlage am Kressenborn, den Spielplatz und noch dazu das eine oder andere neue Haus abzureißen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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