Schulleitung kritisiert soziale Benachteiligung

Keine Chance nach der 10. Stunde: Schüler fordern Busse nach 17 Uhr

Protest der Oberstufe an der KHS: Schulsprecher Moritz Mangold (rechts vorn) und Elternbeiratsmitglied Angela Voigt (links) unterstützen die Forderungen nach einer Transportmöglichkeit.

Fritzlar. Nennen wir sie Lisa: Die Schülerin der 10.Klasse (damit beginnt in G8-Zeiten die Oberstufe) an der Fritzlarer König-Heinrich-Schule wohnt in Edermünde.

Ein- bis zweimal pro Woche dauert der Unterricht bis zur 10. Stunde, also 17 Uhr. Um diese Zeit hat sie, wie fast alle anderen Schüler auch, keine Möglichkeit mehr mit einem öffentlichen Nahverkehrsmittel nach Hause zu kommen. Sie muss das privat organisieren - obwohl sie eine Monatskarte für 85 Euro gekauft hat.

Mit dieser und vergleichbaren Situationen, die zurzeit über 100 Schüler der KHS betrifft, wollen sich Elternvertreter, Schulsprecher und Schulleitung sowie Schüler nicht mehr klaglos abfinden. Sie haben an den Kreisausschuss sowie die Kreistagsfraktionen geschrieben und fordern Verbesserungen. Zudem wurden 250 Unterschriften gesammelt und dem Schreiben hinzugefügt.

Bisher gibt der Landkreis als Schulträger eine Garantie für die Schülerbeförderung nur zur 1. Stunde hin und nach der 6. beziehungsweise 8. Stunde zurück. Für den Oberstufenunterricht sei es jedoch nicht machbar, dass der Unterricht um 15.30 Uhr ende, sagt KHS-Schulleiter Dr. Ulrich von Nathusius.

Weiter schreibt er: „Dass nur diejenigen Schüler, die motorisiert sind oder Eltern mit genügend Zeit und Geld für Taxidienste haben, zeitnah ihr Zuhause erreichen, stellt eine deutliche soziale Benachteiligung dar.“ Nathusius weist außerdem darauf hin, dass die Politik die Aufgabe habe, für eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen, zu sorgen. Das sei im Falle der Schüler nicht erreicht, kritisieren er und die anderen.

„Betroffen von den fehlenden, zu frühen oder zu späten Verbindungen sind alle Regionen rund um Fritzlar“, sagt Schulsprecher Moritz Mangold, der aus Wabern kommt. Eine Schülerin berichtet, dass ein Bus von Haddamar nach Lohne fährt und dabei Züschen links liegen lässt: 200 Meter vor dem Ort dreht er ab. Und nachmittags führen Busse, in denen kaum einer sitze. „Warum fährt nicht ein Bus dann, wenn er gebraucht wird?“ fragt sich die junge Frau.

Verschärft wurde die Situation, die eigentlich schon jahrzehntelang ein Problem ist, durch die Verkürzung der Schulzeit: G8-Schüler sind in der Oberstufe jünger, haben selten schon einen Führerschein und können kaum noch auf Fahrgemeinschaften zum Transport bauen. Nathusius schlägt zudem vor, Lösungen mit Kleinbussen und AST-Verkehr zu prüfen.

Bislang seien alle Bitten um Verbesserungen von der Schulverwaltung des Kreises aus finanziellen Gründen leider abschlägig beschieden worden, heißt es in dem Brief.

Eine Antwort auf die Schreiben von Schülern, Eltern und Lehrern ist nach vier Wochen noch nicht eingetroffen.

Das sagt Winfried Becker

Man werde sich umgehend nach Ostern zusammensetzen und das Problem besprechen, sagte Vize-Landrat Winfried Becker auf HNA-Anfrage. Die Briefe der Schule seien ihm bekannt, er habe sie an die Schulverwaltung weitergeleitet. „Wir müssen das diskutieren mit den Zuständigen im Amt und beim Nahverkehr Schwalm-Eder“, sagte er zu.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare