Keine Ehrung für Alt-Nazi: Heinrich-Klimmer-Straße soll nach 60 Jahren umbenannt werden

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Neuer Name nach 60 Jahren: Aus der Heinrich-Klimmer-Straße in der Guxhagener Breitenau soll der Aueweg werden. Klimmer hatte als Lagerleiter während der Nazi-Zeit den Bau der Häuser durch Inhaftierte veranlasst. 1951 wurde die Straße nach ihm benannt. Foto: 

Guxhagen. Vor 13 Jahren hatte eine HNA-Serie aufgedeckt, wer Heinrich Klimmer war: ein Nazi und von 1933 bis 1940 Leiter der Korrektions- und Landesarbeitsanstalt Breitenau. Seitdem wurde in Guxhagen darüber diskutiert, ob die 1951 nach ihm benannte Straße umbenannt werden soll.

Hatten Anwohner und Parlament dies vor zwölf Jahren noch abgelehnt, so haben die Gemeindevertreter am Mittwochabend einstimmig beschlossen: Die Straße soll künftig Aueweg heißen.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte das Parlament beschlossen, ein historisches Gutachten über Heinrich Klimmer erstellen zu lassen. Nun wurde ohne dieses Gutachten für die Umbenennung gestimmt.

Zwischenzeitlich hatte sich der Landeswohlfahrtsverband, der heute Eigentümer des ehemaligen Lagers ist, ebenfalls für eine Umbenennung ausgesprochen. Klimmer sei NSDAP-Mitglied gewesen und habe unter anderem Menschen für die Zwangssterilisation gemeldet, zitierte Bürgermeister Edgar Slawik.

Auch eigene Recherchen hätten zu dem Entschluss geführt, dass eine Ehrung durch Belassung des Straßennamens nicht angebracht sei, fügte er an .

Reiner Kramm, Fraktionsvorsitzender der SPD, versuchte zu erklären, warum das Parlament 1999 trotz der damaligen Erkenntnisse mehrheitlich gegen eine Änderung votiert hatte: Möglicherweise aus Rücksicht gegenüber dem 1951 gefassten Beschluss und weil die Anwohner dagegen waren. Kramm: „Das war rückwirkend betrachtet die falsche Entscheidung.“ Denn: „Auch wenn Klimmer keine persönlichen Verfehlungen nachgewiesen werden konnten, so war er doch Teil des Nazi-Regimes.“

Vor zwölf Jahren sei es in der Diskussion um Klimmers persönliche Schuld gegangen, sagte Martin Graefe, Fraktionsvorsitzender der CDU, die vor zwölf Jahren noch mit der GL eine Fraktion bildete. Damals habe er gegen eine Umbenennung gestimmt. Heute sehe er das anders. Klimmer sei früh (1932) und ohne Not in die NSDAP eingetreten, er sei ein so genannter Alter Kämpfer gewesen. Diese seien in für das System wichtige Funktionen gesetzt worden. Gleichwohl sei Klimmer durchaus beliebt gewesen. Er habe Häuser errichtet, den Sportplatz angelegt und eine Kläranlage gebaut. Graefe: „Aber um welchen Preis für die, die die Arbeiten gemacht haben?“

Manfred Hollstein, Fraktionsvorsitzender der Grünen und neu im Parlament, zeigte sich erfreut, dass alle Fraktionen einen Kompromiss und einen neutralen Straßennamen gefunden hätten. Es waren die Grünen, die Ende 1998 die Umbenennung beantragt hatten.

Es sei gut, dass der Antrag nun gestellt werde, befand Ulrich Wiegand, Fraktionsvorsitzender der GL. „60 Jahre hat es kaum jemanden gestört, und die wenigsten machen sich Gedanken über den Namen ihrer Straße.“ (bmn)

Quelle: HNA

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