Keine Glocken läuten mehr: Der Kirchturm wird restauriert

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Hoch über Wenigenhasungen: Geselle Alexander Becker und Zimmermeister Carsten Schmidt erneuern morsche Holzbalken kurz unterhalb der Turmspitze der Wenigenhasunger Kirche

Wenigenhasungen. „Den Menschen hier wird sofort auffallen, dass da etwas anders ist als gewohnt“, sagt Pfarrerin Marita Fehr. Und damit meint sie nicht das Baugerüst, das die Wenigenhasunger Kirche umhüllt. Vielmehr sind es gewohnte Klänge, auf die die Einwohner des Ortes verzichten müssen.

Wegen Restaurierungsarbeiten können die Kirchenglocken nicht geläutet werden. In rund 25 Metern  Höhe befindet sich momentan der Arbeitsplatz von Zimmermeister Carsten Schmidt und seinem Gesellen Alexander Becker. Kurz unterhalb der Kirchturmspitze erneuern sie die Holzbalken, die im Laufe der Jahre durch eindringende Feuchtigkeit morsch geworden sind. „Reine Routine für uns“, sagt Schmidt, der schon in gut sechsmal so hohen Baugerüsten gearbeitet hat. Sind seine Arbeiten abgeschlossen, sollen auch die Glocken wieder läuten.

Wegen fehlender Balken seien die Schwingungen allerdings momentan zu gefährlich für die Statik des Turmes, sagt Fehr. Zuletzt war das historische Baumaterial am Turm vor über 40 Jahren nachgebessert worden. Nach Abschluss der Holzarbeiten wird die Schieferverkleidung erneuert. Dann folgen Mauer- und Steinmetzarbeiten. Die Mauerkrone ist stellenweise bröselig und muss ausgebessert werden. 120 000 Euro sollen die Restaurierungsarbeiten kosten. Ein Drittel davon kommen aus dem so genannten pauschalierten Nachholbedarf, einem vom Landeskirchenamt verwalteten Fonds für Instandhaltungsarbeiten an Kirchgemeinden. Der Rest wird mithilfe von Darlehen und Zuschüssen des Landeskirchenamtes und des Kirchenkreises finanziert. 13 000 Euro muss die Gemeinde selbst beitragen.

Das Geld soll über Spenden und die Kollekte gesammelt werden – über 10 000 Euro sind so bereits zusammengekommen. Den Rest erhofft sich Fehr bei einem Benefizkonzert am 1. Juni einnehmen zu können. Der Innenraum der Kirche war zuletzt im Jahr 2009 aufwändig restauriert worden. Damals wurden über hundert Jahre alte Deckenmalereien wiederentdeckt und nachgearbeitet. Die aktuellen Arbeiten sollen bis Herbst abgeschlossen sein. Mit Blick auf die dann stattfindenden Kirchenvorstandswahlen sagt Marita Fehr: „Wenn dann kein Bauvorhaben ansteht, können alle viel entspannter in die Wahl gehen.“ Beschwerden aus Reihen der Konfirmandenfamilien, die die Konfirmation in einer teilweise verhüllten Kirche feiern mussten, kann sie zwar verstehen, findet die Situation aber „doch eher verheißungsvoll, weil hier ja auch wieder Neues entsteht.“ Bei der Ausbesserung des Fugenmaterials hofft Pfarrerin Marita Fehr noch auf freiwillige Helfer aus der Gemeinde.

Wer bei der Restaurierung helfen möchte, kann sich telefonisch unter 05692 / 2453 melden.

Von Lasse Deppe

Quelle: HNA

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