Keine Lohnsteuerkarten mehr: Auf Neu-Singles können Nachzahlungen zukommen

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Jährliche Erinnerung bleibt aus: Erstmals kamen im Herbst nicht mehr die gewohnten Lohnsteuerkarten per Post von den Rathäusern.

Schwalm-Eder. Harmonische Weihnachtstage im Familienkreis stehen leider nicht jedem bevor - etwa dann nicht, wenn seit dem letzten Fest eine langjährige Partnerschaft in die Brüche gegangen ist. Etlichen Betroffenen könnten nächstes Jahr weitere Unannehmlichkeiten drohen - durch Geldnachforderungen des Finanzamts.

Seit vergangenem Herbst kommt keine jährliche Post mehr mit der gewohnten Lohnsteuerkarte, weil das System umgestellt wird. Somit, so sagt ein Mitarbeiter des Steuerzahlerbundes Hessen, „fehlt möglicherweise ein gewisser Erinnerungseffekt“, die eingetragene Steuerklasse per Kontrollblick auf Aktualität zu überprüfen.

Anderes hat oft Vorrang

Nach einer frischen Trennung haben oft andere Dinge Vorrang, als sich um solche bürokratischen Details zu kümmern. Doch hatten die bisherigen Partner zum Beispiel Ehegattensplitting beantragt, muss der Hauptverdiener fortan von der günstigen Steuerklasse 3 in die deutlich höher besteuerte Klasse 1 eingruppiert werden.

So verlangt es das Steuerrecht - und neuerdings auch, dass Arbeitnehmer von sich aus beim Finanzamt vorstellig werden, um eine solche Veränderung anzuzeigen.

Bei den Finanzämtern im Schwalm-Eder-Kreis gibt es indessen Anzeichen dafür, dass eine größere Zahl von Neu-Singles dieser Anzeigepflicht bislang noch nicht Genüge getan hat. Ein Insider sagte gegenüber der HNA, im gesamten Jahr 2010 sei beim Finanzamt bisher nur ein kleiner Bruchteil jener Trennungszahlen aktenkundig geworden, die man aus der Erfahrung vergangener Jahre kenne.

Um eine Größenordnung zu benennen: Nach Angaben des Statistischen Landesamts für das Jahr 2009 sind im Schwalm-Eder-Kreis insgesamt 473 Ehen geschieden worden.

Für das Finanzamt maßgeblich ist jedoch nicht die rechtsgültige Scheidung, sondern die Angabe „Dauernd getrennt lebend seit...“ auf der ersten Seite des Steuererklärungsformulars. Die Abgabe einer Steuererklärung ist Pflicht für den Fall, dass sich die Partner einst fürs Ehegattensplitting entschieden hatten.

Ein paar Tausender Verlust

Falls bei der Prüfung dieser Unterlagen nächstes Jahr festgestellt wird, dass ein Arbeitnehmer beispielsweise seit einem Beziehungskrach an Weihnachten 2009 alleine lebt und seither nicht mehr Anspruch auf die günstige Steuerklasse 3 hat, dann hält der Fiskus die Hand auf: Bei einem angenommenen Bruttojahresverdienst von 30.000 Euro stünde sich der Mann steuerlich um etwa 3000 Euro schlechter - und diesen Betrag müsste er nachzahlen, sofern das Geld nicht mit einem Steuerguthaben in entsprechender Höhe verrechnet werden kann.

Bei allem kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt die Trennung tatsächlich vollzogen wurde. Nur wenn die Partner bereits vor Beginn des jeweiligen Steuerjahres auseinandergegangen waren, hat das Auswirkungen auf die Steuerklasse. Um die bisherige Einstufung vorläufig zu behalten, „genügt es im Prinzip, wenn man an einem Tag dieses Jahres noch zusammengelebt hat“, sagte Thomas Frömel vom Steuerzahlerbund.

Hintergrund: Die alte Lohnsteuerkarte hat ausgedient

Erstmals haben die Rathäuser im September/Oktober keine Lohnsteuerkarten mehr für das kommende Jahr verschickt. Grund ist die Umstellung auf ein elektronisches Verfahren, das ab dem Jahr 2012 in vollem Umfang einsatzfähig sein soll.

Gültig bleibt bis auf weiteres die Lohnsteuerkarte 2010 mit allen Eintragungen wie Steuerklasse und Kinderfreibeträge. Der Arbeitgeber bewahrt die letzte Generation der Pappkarten auf und nimmt aufgrund dieser Angaben auch den Lohnsteuerabzug für das Jahr 2011 vor.

Wenn sich beim Arbeitnehmer an seinen Daten nun steuerrelevante Änderungen ergeben, so muss er sich an sein zuständiges Finanzamt werden, um diese Änderungen eintragen zu lassen. Die Städte und Gemeinden hingegen sind ab dem 1. Januar nur noch zuständig für reine Melde-Angelegenheiten wie Geburt, Heirat, Sterbefälle, Kirchenein- und Austritte. (asz)

Das sagt der Steuerzahlerbund: Arbeitnehmer in der Pflicht

Der Bund der Steuerzahler Hessen geht nicht davon aus, dass eine größere Zahl von Arbeitnehmern nach einer Trennung Probleme durch die Lohnsteuer-Neuregelungen bekommen wird. „Das könnte vorkommen, aber da es noch keine Erfahrungen gibt, kann man nur spekulieren“, sagte Thomas Frömel, Referent für Steuerfragen beim Steuerzahlerbund.

Frömel macht darauf aufmerksam, dass „grundsätzlich jeder verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass der Eintrag der Steuermerkmale richtig ist“. Es gebe auch andere Mögllichkeiten, die Steuerklasse zu überprüfen, sagte der Fachmann auf Anfrage der HNA: Bespielsweise gebe auch die monatliche Gehaltsabrechnung vom Arbeitgeber Aufschluss darüber, wie man steuerlich eingestuft sei. Sollten diese Angaben nicht mehr zutreffen, müsse man sich ans Finanzamt wenden. (asz)

Quelle: HNA

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