Fehlende Finanzierung

Der letzte Maler aus Felsberg: Keine Ausbildung mehr

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Felsberg. Ausbildungsangebot an der Jugendwerkstatt endet wegen fehlender Finanzierung.

Mit Karsten Prior endet ein langes Kapitel an der Jugendwerkstatt Felsberg. Mehr als 20 Jahre lang, seit 1993, hat die Jugendwerkstatt Maler und Lackierer ausgebildet, 126 Auszubildende waren es insgesamt. Karsten Prior ist der Letzte von ihnen. Der 26-jährige Gudensberger hat gerade seine Ausbildung abgeschlossen.

„Geschafft ist geschafft“, sagt er, „ich war sehr froh darüber.“ Aber er verlässt die Jugendwerkstatt auch mit einem weinenden Auge. „Am liebsten wäre ich noch länger hier geblieben.“ Man habe ihn in der Jugendwerkstatt sehr gut aufgenommen. „Es hat Spaß gemacht und ich habe viel gelernt“, sagt er über seine Ausbildungszeit.

Doch nicht nur deshalb blickt Prior wehmütig zurück: „Ich bin der letzte Maler hier“, sagt er, „das finde ich schade.“ Denn für Karsten Prior bedeutete die Ausbildung an der Jugendwerkstatt eine neue Chance. „Vorher hatte ich einen Ein-Euro-Job in Fritzlar“, berichtet der 26-Jährige. „Mein Chef dort hat aber irgendwann gesagt: Das kann so nicht weitergehen, der Junge braucht eine Ausbildung.“

Also begann Prior eine Ausbildung an der Jugendwerkstatt. „Ich bin handwerklich begabt, und in meiner Familie gibt es einige, die als Maler arbeiten“, sagt er. Während seiner Ausbildung hat Prior in drei Malerbetrieben im Schwalm-Eder-Kreis praktische Erfahrungen gesammelt - unter anderem in Melsungen.

„Dort lief es super, ich habe mich dort jetzt auch um eine Stelle beworben“, sagt Prior. Er hofft nun, bald einen Arbeitsplatz zu finden.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht - jedenfalls mit Blick auf die Statistik der Jugendwerkstatt: 21 Prozent der Maler-Azubis haben nach der Ausbildung in dem Betrieb weitergearbeitet, in dem sie ihre Ausbildung beendet haben. 21 Prozent haben in einem anderen Betrieb eine Anstellung als Maler gefunden. 15 Prozent haben eine andere Arbeit aufgenommen, und elf Prozent haben sich beispielsweise für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden, haben ihre schulische Ausbildung fortgesetzt oder sind zur Bundeswehr gegangen. 32 Prozent der Maler-Azubis haben nach der Ausbildung zunächst keine Beschäftigung gefunden.

Berufsvielfalt

Die Malerausbildung ist nicht das erste Fach, von dem sich die Jugendwerkstatt verabschiedet. In den vergangenen Jahren wurden bereits die Lehrgänge für Elektriker, Holzbauer und Bürokaufleute abgeschafft. Damit werden jetzt nur noch Metallbau und Hauswirtschaft als Ausbildungsgänge angeboten.

Die Gründe dafür erläutert Angelika Horstkotte-Pausch, Geschäftsführerin der Jugendwerkstatt: „Die Agentur für Arbeit finanziert die Ausbildung in der Jugendwerkstatt nicht mehr.“ Die Finanzierung laufe nur noch über das Jobcenter - und gelte damit nicht mehr für Kurzzeitarbeitslose. Dadurch bekomme die Jugendwerkstatt weniger Auszubildende zugewiesen: „Früher haben bei uns jährlich 30 neue Azubis angefangen, jetzt sind es nur noch fünf.“

Deshalb könne die Jugendwerkstatt jetzt nur noch zwei Ausbildungsfächer anbieten. „Zwölf Azubis tragen einen Ausbilder“, erklärt Horstkotte-Pausch. Mit weniger als zwölf Auszubildenden könne man ein Fach daher nicht mehr anbieten. „Die Berufsvielfalt bei uns wird dadurch eingeschränkt“, sagt Horstkotte Pausch. „Nicht jeder, der zu uns kommt, möchte Metallbauer oder Hauswirtschaft lernen.“

Warum aber hat sich das Finanzierungsmodell geändert? „Die Politik geht davon aus, dass Betriebe so dringend nach Azubis suchen, dass sie jeden einstellen. Das ist aber nicht so“, sagt Horstkotte-Pausch. Arbeitgeber hofften immer noch auf Realschüler oder Absolventen der Fachoberschule als Bewerber für Ausbildungsplätze. Hinzu komme, dass manche Auszubildende während der Ausbildung Unterstützung benötigten. „Schulisches Lernen fällt vielen Jugendlichen schwer“, sagt Horstkotte-Pausch. Hinzu kämen andere Probleme, die die Jugendlichen belasteten -etwa Verschuldung. Die ausbildungsbegleitenden Hilfen, die die Agentur für Arbeit anbiete, reichten oft nicht aus, um das aufzufangen, sagt Horstkotte-Pausch.

Quelle: HNA

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