Strittige Geschäfte zwischen Ex-Bürgermeister und Kunsthändler – Vergleich möglich

Keiner will die Bilder

Der Stein des Anstoßes: 66 000 Euro zahlte die Stadt Alsfeld für das Gemälde „Prämienmarkt“ des Malers Johann Heinrich Hasselhorst. Die Stadt will seit drei Jahren das Gemälde an den Treysaer Kunsthändler Jürgen Wollmann zurückgeben. Repro: HNA 

Schwalmstadt/Alsfeld. Der Bilderstreit zwischen der Stadt Alsfeld und dem Treysaer Kunsthändler Jürgen Wollman geht in die nächste Runde.

Die Stadt Alsfeld will vor Gericht die Rückgabe von Bildern erzwingen, die Alsfelds Ex-Bürgermeister Herbert Diestelmann ohne Rücksprache mit dem Magistrat von Wollmann kaufte (wir berichteten). Die Zivilkammer des Landsgericht Marburg schlägt im Prozess der Stadt nun einen Vergleich vor.

Ralf Becker

Laut Diestelmanns Amtsnachfolger, Bürgermeister Ralf Becker (SPD), empfiehlt das Gericht, dass die Kunstgegenstände im Eigentum der Stadt verbleiben, Kunsthändler Wollmann im Gegenzug allerdings der Stadt seinen Gewinn aus dem Bilderverkauf überlassen muss. Wie hoch genau der war, will Wollmann nicht sagen. Es seien auch andere Käufer an den Gemälden interessiert gewesen, erklärte er im Gespräch mit der HNA.

Jürgen Wollmann

Bei den strittigen Kunstgegenständen im Wert von 170 000 Euro, die Wollman der Stadt Alsfeld verkauft,e handelt es sich um Gemälde der Maler Johann Heinrich Hasselhorst, Richard Hölscher und Fritz Döring und eine Abendmahlskanne. Bezahlt wurden die Gegenstände aus einem Erbschaftskonto der Stadt Alsfeld.

• Mit dem Vorschlag des Gerichts werden sich nun die Gremien der Stadt beschäftigen. In ihrer Sitzung am Mittwoch, 14. Dezember, werden Alsfelds Stadtverordnete entscheiden, ob sie dem Vergleich zustimmen. Sollte das nicht der Fall sein, wird laut Bürgermeister Becker im Januar ein Urteil des Gerichts erwartet.

Von Sylke Grede

Hintergrund:

Zwei Erbschaften der Stadt Alsfeld sind eng mit der Schwalm verknüpft. Da ist zum einen der Nachlass von Elisabeth Schulz. Aus deren Nachlass hatte Diestelmann der Ziegenhainer Carl-Bantzer-Schule das Bantzer-Gemälde „Mädchen beim Rosen pflücken“ als Dauerleihgabe überlassen. Dieses Gemälde ist laut Bürgermeister Ralf Becker wieder im Besitz der Stadt Alsfeld.

Zum anderen kaufte Diestelmann mit dem Geld aus der Erbschaft der Ilse Riechers Gemälde vom Kunsthändler Jürgen Wollmann ohne vorherige Rücksprache mit dem Alsfelder Magistrat. 2008 hatte der Magistrat beschlossen, diesen Kauf rückgängig zu machen und Wollmann die Bilder zurück zu geben. Der will die Gemälde allerdings nicht wieder haben. (syg)

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Quelle: HNA

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