Nur im Jugendamt gibt es noch einen Stellenzuwachs

Kevins Tod änderte vieles

Abgestellte Kinderwagen und Spielzeug: Es ist der Blick in den Keller der Wohnung in Bremen, in der der zweieinhalb Jahre alte Kevin tot aufgefunden wurde und entstand am 11. Oktober 2006. Foto:  dpa

Schwalm-Eder. Das Grauen trägt seinen Namen: Bremer Polizisten entdeckten im Oktober 2006 den toten Kevin im Kühlschrank seines drogenabhängigen Ziehvaters. Kevin starb mit zweieinhalb Jahren - obwohl Behörden und Einrichtungen mehrfach gewarnt geworden waren und das Jugendamt Vormund des Kindes war.

Und heute? Den Glauben an eine heile Welt lassen immer neue Schreckensmeldungen nicht aufkommen, aber es ist viel getan worden, versicherten Karin Wagner und Winfried Becker im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Fall Kevin hat eine Reihe gesetzlicher Maßnahmen angeschoben, die „den aktiven Kinderschutz in unserer Gesellschaft verbessern“, so Jugendamtschefin Wagner, „ich sage ausdrücklich in unserer Gesellschaft, auch wenn bei tragischen Todesfällen von Kindern immer und vorrangig an den Jugendämtern Kritik geäußert wird“.

Seit 2012 besteht die gesetzliche Vorgabe, dass das Gesundheitswesen und die Jugendhilfe ein Netz herstellen müssen, der Landkreis hat dafür eine Stelle eingerichtet. Gebaut wird aber auch auf Einrichtungen wie das Familienzentrum Schwalm-Eder, Kindergärten und Schulen (Frühe Hilfen).

Karin Wagner

Karin Wagner: „Das Bewusstsein für den Kinderschutz ist gewachsen.“ Das führe auch dazu, dass verstärkt Meldungen beim Jugendamt eingehen, denen nachgegangen werden muss, „das löst einen höheren Personalbedarf aus und führt auch dazu, dass häufiger Kinder in Gefährdungs- und Krisensituationen zunächst vorübergehend unterzubringen sind“.

Außerdem soll im Pflegekinderdienst eine halbe Stelle geschaffen werden. Es gehe darum, immer ausreichend vorübergehende Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu haben. Die Menschen, die sich dieser schwierigen Aufgabe annehmen, müssen gut beraten und betreut werden, betonten Wagner und Becker.

Das Plus an Stellen sehen sie positiv, doch sie sagen auch, dass das neue Gesetz gar keine großen Veränderungen gebracht habe, sondern auch zuvor bereits das meiste Standard gewesen sei.

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Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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