Berufungsverfahren im Kicker-Prozess: Weitere Zeugen müssen gehört werden

Kassel/Zimmersrode. Der Fußball ist dieser Tage überall, selbst vor Gericht. Was jetzt das Kasseler Landgericht beschäftigt, spielte sich allerdings nicht in der Welt-, sondern in der Kreisklasse ab.

Und nicht um den WM-Pokal wird gerungen, sondern um Schuld: Es geht, wieder einmal, um die Schlägerei nach dem Kreisliga-A-Duell zwischen dem TuS Zimmersrode und der Spielvereinigung Zella/Loshausen vor mehr als zwei Jahren.

Die Auseinandersetzung im April 2012, bei der der Vorsitzende der SpVgg durch Tritte ins Gesicht schwer verletzt worden war, ist bereits dreimal verhandelt worden: zweimal vor Sportgerichten und zuletzt im September 2013 vor dem Amtsgericht in Fritzlar.

Damals war ein 32-Jähriger aus Borken - Spieler der zweiten Zimmersröder Mannschaft - wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Weil er das nicht akzeptiert und Berufung eingelegt hat, muss sich nun auch noch das Landgericht um die Suche nach der Wahrheit bemühen. Und die gestaltet sich überaus mühsam.

Während neun langer Stunden werden 15 Zeugen vernommen. Doch am Ende befindet die Strafkammer: Das reicht noch nicht. Sechs weitere Zeugen sollen gehört werden. Am 7. Juli geht es weiter. Denn von den Männern, die an diesem ersten Verhandlungstag aufgetreten sind, hat fast jeder eine andere Version erzählt. Die, um das Maß voll zu machen, nicht selten auch von dem abweichen, was sie selbst früher einmal gesagt haben.

„Jeder hat andere Augen“, meint achselzuckend ein 36-jähriger Mittelfeldspieler des TuS Zimmersrode. Und Richter Michael Reichhardt muss ihm resigniert beipflichten: Ja, so sei es wohl.

Der 36-Jährige war, immerhin so viel steht fest, der Auslöser des Streits. Während des Spiels hatte er sich von Gästefans beleidigt gefühlt. Auch das Wort „Kanake“ soll dabei gefallen sein (was allerdings ausschließlich Zeugen aus dem Lager der Zimmersröder gehört haben). Nach dem Spiel packte er deshalb einen der mutmaßlichen Beleidiger am Kragen.

Als sich daraufhin der Vorsitzende der SpVgg Zella/Loshausen - ein 35 Jahre alter Polizist - schlichtend einmischen wollte, begann die eigentliche Schlägerei. Und dabei soll der Angeklagte den Vorsitzenden der Gäste mehrfach in den Bauch und ins Gesicht getreten haben. Was er jedoch bestreitet. Lediglich einen Tritt gegen das Bein des Mannes räumt er ein. Zur Verteidigung, wie er beteuert. „Das war’s auch schon.“

Ob das stimmt, lässt sich aus den widersprüchlichen Zeugenaussagen kaum ersehen. Sicher scheint aber, dass der 32-Jährige nicht der einzige Treter war: Das Opfer wurde auch von einem Stollenschuh im Gesicht getroffen. Der Angeklagte aber hatte sich schon umgezogen und trug normale Turnschuhe.

Von Joachim F. Tornau

Quelle: HNA

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