Menschen vor Gericht: 22-Jähriger handelte und konsumierte Haschisch

Ein Kilo Drogen im Tresor

Neustadt/Oberaula. Sein Geständnis, eine glaubhaft angekündigte Drogentherapie, eine günstige Sozialprognose und seine bislang reine Weste bewahrten einen 22-jährigen Saisonarbeiter aus Neustadt vor einem längeren Gefängnisaufenthalt. Das Marburger Landgericht verurteilte den berufslosen jungen Mann wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu zwei Jahren Gefängnis.

Im Juli 2011 war der 22-Jährige, der nach eigenen Angaben bereits seit acht Jahren drogenabhängig ist, nach Oberaula gefahren, um dort bei einem Drogenhändler ein Kilogramm Marihuana zu erwerben. Dafür hatte ihm ein Bekannter vorher 5800 Euro übergeben. Dieses Geld gab der Saisonarbeiter an einen weiteren Mann weiter, der dafür bei dem Dealer das Rauschgift in der bestellten Menge abholte und es an den 22-jährigen weitergab.

„Wer kauft sich ein zusätzliches Pfund, wenn er zu Hause bereits ein Kilogramm liegen hat.“

Richter Carsten Paul

Das Rauschgift, das zwischen dem Geldgeber und dem Neustädter je zur Hälfte aufgeteilt wurde, wollte der junge Mann zum Teil für den Eigenverbrauch sowie zur weiteren Finanzierung seiner Drogensucht verwenden.

Dabei hatte der 22-Jährige einen großen Drogenvorrat. Am Tag nach der Festnahme des Trios war in seiner Wohnung in Neustadt, wo er mit Mutter und Freundin lebte, ein weiteres Kilogramm Haschisch gefunden worden – in einem Tresor im Wohnzimmerschrank der Mutter. „Wer kauft sich ein zusätzliches Pfund, wenn er zu Hause bereits ein Kilogramm liegen hat?“, schüttelte der Richter verständnislos den Kopf. Verpackungsutensilien, eine Feinwaage und ein Messer zur Portionierung der Mengen, die zum Weiterverkauf bestimmt waren, deuteten auf einen regen Rauschgifthandel hin, den der 22-jährige auch freimütig einräumte. Einen Teleskopschlagstock, der ebenfalls bei der Hausdurchsuchung sichergestellt worden war, habe ein Bekannter bei ihm vergessen, gab der Angeklagte an. Seit November vergangenen Jahres nehme er keine Drogen mehr.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung plädierten für die Verhängung einer Bewährungsstrafe. „Ich möchte mich dafür bedanken, dass Sie mir noch einmal eine Chance geben“, sagte der junge Mann, bevor er sichtlich erleichtert den Gerichtssaal verließ.

Strafe auf Bewährung

Die Strafe setzte Richter Dr. Carsten Paul für drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss sich der in Kasachstan geborene junge Mann einem Bewährungshelfer unterstellen, die begonnene Drogenberatung fortsetzen, sich einer stationären Therapie unterziehen und darüber hinaus noch 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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