Ambulante Hospizdienst Kassel unterstützt Familien im Kreis

+
Hoffen, dass der Ambulante Kinderhospizdienst bekannter wird: Daria Klevinghaus (links) und Andrea Schink-Werner

Homberg. Wenn Kinder sterbenskrank sind, erleben Erwachsene eine große Ohnmacht. Die Diagnose einer tödlichen Krankheit bringt das Familienleben aus dem Tritt. Diese Erfahrung hat Andrea Schink-Werner gemacht. Sie ist hauptamtliche Koordinatorin des Ambulanten Kinderhospizdienstes Kassel.

„Familien wissen das oft nicht, aber sie können ab der Diagnose-Stellung Unterstützung von uns bekommen“, sagt Schink-Werner. Und das nicht nur in Kassel, sondern auch im Umkreis von 50 Kilometern. Auch im Schwalm-Eder-Kreis sollen Familien mit unheilbar erkrankten Kindern unterstützt werden.

Zeit miteinander verbringen

Daria Klevinghaus aus Homberg ist eine von drei Ehrenamtlichen im Schwalm-Eder-Kreis. Sie betreut die zehnjährige Anna-Lena, die an einer Muskelerkrankung leidet. Wegen dieser kann sie nicht selbstständig atmen, essen und sich nicht bewegen. „Sie verständigt sich durch Augenzwinkern“, erklärt Klevinghaus. Zweieinhalb Stunden pro Woche verbringt sie mit Anna-Lena: „Dann machen wir Sachen, die Mädchen in diesem Alter toll finden, zum Beispiel basteln und Fingernägel lackieren.“

Klevinghaus macht das Freude: „Natürlich ist es präsent, dass sie schwer krank ist. Aber ich genieße es total, Zeit mit Anna-Lena zu verbringen.“ Zeit, die ihre alleinerziehende Mutter nutzen kann, um Sport zu machen oder andere Dinge zu erledigen.

17 Kinder werden von Ehrenamtlichen des Ambulanten Kinderhospizdienstes betreut. Sie leiden unter Stoffwechsel-, Muskel- oder genetischen Erkrankungen. Bei der Betreuung gehe es nicht um einen Pflegeauftrag: „Den haben die Pflegedienste“, betont Schink-Werner. „Es geht auch nicht um einen Therapieauftrag, sondern um Zeit. Es ist eine Entlastung für alle.“ Je nach Bedarf könne es auch vorkommen, dass die Ehrenamtlichen sich um Geschwisterkinder kümmern oder sich Zeit für Gespräche mit den Eltern nehmen.

30 Ehrenamtliche arbeiten insgesamt für den Kinderhospizdienst Kassel. In 80 Stunden wurden sie theoretisch und praktisch durch Gespräche mit Betroffenen und in Rollenspielen geschult. Koordinatorin Andrea Schink-Werner wünscht sich, dass in Zukunft noch mehr Familien mit erkrankten Kindern betreut werden können und hofft, dass sich Interessierte melden: „Dann können wir einen weiteren Kurs veranstalten.“

Eine Frage der Perspektive

„Ach du Schreck, das könnte ich nicht, mit sterbenden Kindern arbeiten.“ Diese Reaktion erlebe Daria Klevinghaus manchmal, wenn erzählt, dass sie für das ambulante Kinderhospiz arbeitet. Das sei aber eine Frage der Perspektive, sagt Klevinghaus: „Ich arbeite mit lebenden Kindern.“

Familien, in denen ein sterbenskrankes Kind lebt, können für eine persönliche Beratung Kontakt zu Andrea Schink-Werner aufnehmen. Sie stellt dann einen Kontakt zu Ehrenamtlichen, die die Familie unterstützen können, her. Sie ist unter Tel. 05 61 /5 29 77 10 erreichbar.

Daria Klevinghaus steht für Fragen zum Ehrenamt zur Verfügung, erreichbar unter Tel. 0 56 81 /8 03 90 45. (nos)

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare