Neun- und zwölfjährige Geschwister aus Naumburg wurden in Schauenburg ausgesetzt – Vater ist empört

Kinder mussten Bus verlassen

Froh, gut angekommen zu sein: Die Geschwister Nelly (links) und Wesley mit dem Fahrrad des Zwölfjährigen vor dem Haus in Naumburg. Foto: Ulbrich

Naumburg/Kassel. Nelly Viereck will in nächster Zeit nicht mehr mit dem Bus fahren. Grund dafür: Die Neunjährige und ihr Bruder Wesley  mussten am Sonntagabend auf dem Heimweg von Kassel nach Naumburg auf halber Strecke in Schauenburg aussteigen. Als ein Rollstuhlfahrer mitfahren wollte, habe der Busfahrer „streng“ zu Wesley gesagt: „Los, hopp, raus aus dem Bus.“

Hans-Jürgen Viereck aus Kassel ist darüber empört. Der 64-jährige Familienvater kann nicht nachvollziehen, dass seine beiden Kinder den RKH-Bus, der von der Firma Frölich betrieben wird, auf diese Art und Weise verlassen mussten. In Schauenburg wurden die Kinder schließlich nach einer Wartezeit von 45 Minuten vom Lebensgefährten der Mutter abgeholt, der in Naumburg lebt. Über das Verhalten des Busfahrers kann Viereck nur den Kopf schütteln und sagt: „Da dreht sich mir der Magen rum.“ Er und die Kinder schildern den Vorfall wie folgt.

Abfahrt in Wilhelmshöhe

Gegen 18.30 Uhr sei er mit den beiden Kindern am Bahnhof Wilhelmshöhe gewesen, damit sie von dort aus mit dem Bus zur Mutter nach Naumburg fahren. Dass der Busfahrer seiner Tochter eine Fahrkarte für Erwachsene verkauft habe, hätte ihn schon verwundert.

Vielmehr aber die Tatsache, dass im Bus insgesamt sechs Fahrräder transportiert wurden. „Wenn da im Falle einer Notbremsung etwas passiert wäre – gar nicht auszudenken“, sagt der 64-Jährige. Im weiteren Verlauf der Fahrt Richtung Naumburg waren Wesley und ein weiterer Erwachsener die einzigen beiden Passagiere, die noch Fahrräder bei sich hatten, als in Schauenburg ein Rollstuhlfahrer zusteigen wollte. Daraufhin verwies der Busfahrer Wesley des Busses und fuhr weiter. Während der Zwölfjährige sich wunderte, warum der Fahrer nicht gefragt habe, wo sie hin müssten, sagt Nelly: „Ich hatte Angst, es war auch erst das zweite Mal, dass ich mit dem Bus gefahren bin.“

Dieses Verhalten gegenüber Schutzbedürftigen ist für Familienvater Viereck überhaupt nicht nachvollziehbar: „Man kann doch zwei Kinder nicht einfach so rauswerfen.“ Er sei froh, dass die Geschwister nach einiger Wartezeit per Handy den Freund der Mutter erreicht hätten, der sie abholte. Auch Harald Lotz, Lebensgefährte der Mutter, findet es „erschreckend“, dass die Kinder abends an einem wildfremden Ort zurückgelassen wurden. Außerdem sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass er da war und die Kinder abholen konnte. Die Mutter sei im Schichtdienst tätig und daher erst spätabends zu Hause. Ob und wann die Geschwister Nelly und Wesley wieder mit dem Bus von Kassel nach Naumburg fahren werden, wollen alle Familienmitglieder erst einmal in Ruhe besprechen.

Das sagt der NVV

NVV-Pressesprecherin Sabine Herms sagt zum Vorgang: Nach den Beförderungsrichtlinien gibt es keine Pflicht zum Transport von Gegenständen wie Fahrrädern, sehr wohl aber für Menschen. Rollstuhlfahrer oder auch Kinderwagen hätten immer Vorrang. Es sei jedoch absolut unglücklich vom Busfahrer gewesen, die Kinder des Busses zu verweisen, sagt Herms. Die Tatsache, dass vorher wohl sechs Fahrräder im Bus transportiert wurden, läge im Ermessen des Fahrers, der den Fahrgästen damit wohl einen Gefallen tun wollte. Allerdings habe er auch die volle Verantwortung zu tragen, aber sicher versucht, die Situation entsprechend abzuwägen. (uli)

Quelle: HNA

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