Pfarrerin Dumke verlässt nach elf Jahren in Treysa und Ascherode die Schwalm

Kinder rücken ins Zentrum

Kümmert sich ab Oktober um Kinder und junge Familien: Johanna Dumke zieht mit ihrem Mann und Söhnchen Tobias nach Kassel-Wehlheiden. Foto: Rose

Treysa. Schon im Vikariat lernte Johanna Dumke ihre spätere erste Pfarrstelle kennen: Allerdings nur durch die Scheibe ihres alten VW-Busses. „Und ich kannte alle Restaurants in Treysa, weil wir mit dem Pastoralpsychologen Lutz Richter regelmäßig essen gingen“, erzählt die 40-Jährige. Am 1. November 2000 zog Johanna Dumke dann in das Pfarrhaus an der Wasenberger Straße ein. Jetzt, nach elf Jahren, verlässt sie die Schwalm. Künftig arbeitet sie mit halber Pfarrstelle in Kassel-Wehlheiden.

Leicht fällt ihr der Abschied nicht: „Die Stelle war und ist nach wie vor reizvoll. Wir sind ein tolles Team“, sagt Johanna Dumke über ihre drei Pfarr-Kollegen. Schon beim ersten Rundgang durch Treysa habe sie sich in die sonnendurchflutete Stadtkirche verliebt. Auch zu Hause hatte die 40-Jährige das Gotteshaus stets im Blick: Vom Fenster ihres Arbeitszimmers aus.

Schließlich doch Pfarrerin

In Treysa habe sie sich aufgehoben und willkommen gefühlt. „In ländlichen Regionen hat man als Pfarrer noch einen Vertrauenvorschuss“, ist sie überzeugt. Über sich selbst sagt sie: „Ich bin eine nordhessische Pflanze.“ Geboren in Kassel, zog sie mit den Eltern – ihr Vater war ebenfalls Pfarrer – doch häufiger um. Nach dem Abitur in Bad Wildungen begann Dumke ihr Studium, zunächst Deutsch und Theologie auf Lehramt. „Aber die Theologie hat mich gezogen“, erklärt die 40-Jährige. Obwohl sie sich immer gesagt hatte: „Ich werde alles, nur nicht Pfarrer.“

Neben dem großen gegenseitigen Vertrauen im Pfarr-Team und den engagierten ehrenamtlichen Helfern schätzte Johanna Dumke die gute Nachbarschaft zu ihrem katholischen Kollegen Michael Brüne. „Am Palmsonntag hat er mir stets einen Zweig aus Israel gebracht. Und die Sternsinger schrieben den Segen über die Haustür.“ An den Schwälmern habe ihr die direkte, aber herzliche Art, gefallen. „Ich habe hier gute Freunde gefunden und wirklich Wurzeln geschlagen.“

Gern erinnert sie sich an ihre Aufgaben beim Kindergottesdienst: Ein neues Konzept mit jungen Mädchen habe sich etabliert. Auch die Verbindung zur Grundschule, in der sie vier Stunden pro Woche unterrichtete, sei ihr wichtig gewesen. „Die Mischung war reizvoll, denn in Ascherode war im ja die klassische Dorfpfarrerin.“ Weniger liebenswert fand sie die Aufgaben in der Geschäftsführung: „Ich hatte lange die Horrorvision, ich treibe Treysa in den Ruin.“ Viel lieber übernahm sie da die Christmette an Heiligabend in der Totenkirche oder die Trauung des Prinzenpaares am Rosenmontag. Neben Freude prägte auch Leid die Zeit. „Wenn Sie Menschen, die Sie gut kennen, beerdigen müssen, kostet das viel Kraft – man muss lernen, die eigene Ohnmacht auszuhalten.“

In Kassel wird sich Johanna Dumke überwiegend um Kinder und junge Familien kümmern. Gemeinsam mit ihrem Mann und Söhnchen Tobias freut sie sich auf neue Aufgaben.

Verabschiedung am Sonntag, 25. September, 10.15 Uhr, Stadtkirche Treysa.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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