Erzähltreffen des Jahrgangs 1940: Treysaer erinnerten sich an ihren ersten Schultag

Kinder sorgten für Kohlen

Kommen regelmäßig zum Plaudern zusammen: Die ehemaligen Schüler des Jahrgangs 1940 unterhalten sich am liebsten über alte Zeiten, aber auch über das aktuelle Stadtgeschehen. Foto: Rose 

Treysa. Sie plaudern über das aktuelle Stadtgeschehen, schnuddeln über Gott und die Welt, erinnern sich an frühere Zeiten – der Jahrgang 1940 organisiert regelmäßige Erzähltreffen im Café-Stübchen in der Treysaer Stephanstraße. Thema der Truppe war jetzt der erste Schultag und die ersten Schuljahre. „1946 wurden kriegsbedingt mehr als 100 Kinder eingeschult. Das waren spannende Zeiten“, erklärt Karl-Heinz Schneider.

Zum ersten Schultag sagt Heinz Wagner ganz spontan: „Davon habe ich null Ahnung.“ Wohl aber erinnere er sich an sein erstes Zeugnis. Das hatte der pensionierte Lehrer dann zur Erheiterung der Runde auch gleich dabei. „Ich kam ja erst 1946 mit der Familie nach Treysa. Damals wohnten wir An der Lehmenkaute in einem Haus mit acht Familien, zusammen 22 Kinder.“

Als Lehrerin hatte Wagner damals Zita Jaksch: „Das war die, die gern mal ein langes Lineal auf dem Hintern eines Schülers zerschlug“, erzählt Wagner. Und Bernhard Jagoda weiß noch: „Die hat mit ihrer Mutter beim Möbelhändler Gundlach in der Hundsgasse gewohnt.“ Als Lehrer mit „gigantischer Schönschrift“ ging Lehrer Josef Mietig in die Schulgeschichte ein. „Glatze mit Horn“, fällt Ursula Häberle zu ihm ein. „Wenn der sich ärgerte, wurde das Horn auf seiner Stirn immer größer“, erzählt sie. Als „herzensguten Koloss“ beschreibt Häberle hingegen den Schulhausmeister Unflat.

Zuckertüten gab es nicht

Weil es im Schulhaus zu eng wurde, zogen die Schüler in eine Behelfsschule um. „Da hatten wir nachmittags Schichtunterricht. Im Winter musste jeder Holz und Kohle zum Heizen mitbringen – immer so viel, wie man zuhause entbehren konnte“, sagt Wagner. An den ersten Schultag erinnert sich Jagoda. „Eine Zuckertüte gab es damals nicht. Meine Mutter überreichte mir ein Tütchen vom Bäcker Jungclas mit ein paar Plätzchen.“

Auch Schulranzen waren nicht drin. „Ich bekam eine ausgemusterte Werkzeugtasche, um die ein Seil gewickelt wurde“, erklärt Heinz Wagner. Darin waren Tafel, Griffel und ein Läppchen. Stolz seien sie trotzdem auch auf das Wenige gewesen, was sie hatten, sagen die Treysaer. „Ich trug lange eine umgearbeitete Eisenbahner-Mütze und war stolz wie Oskar“, erzählt Wagner. Wirklich gemocht haben Ursula Häberle und die anderen Mädchen ihre langen, gestrickten, kratzenden Strümpfe und die Leibchen nicht: „Aber wir fanden uns trotzdem schön.“

Um sich Geld dazu zu verdienen, war man erfinderisch. „Beim Bau der neuen Schule haben wir dem Dachdecker geholfen“, erzählt Karl-Heinz Schneider. „Es gab 50 Pfennig pro Tag. Und davon konnten wir zwei Mal ins Kino gehen.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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