Suchtforscher Emmanuel Kuntsche informierte in Homberg über die Gefahr von Alkohol

Kindern ein Vorbild sein

Emmanuel Kuntsche

Homberg. Die Zahl der Jugendlichen, die im Schwalm-Eder-Kreis wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, geht zurück. Waren es im Jahr 2009 noch 87 Jugendliche, sind es 2013 nur noch 61 gewesen. Dennoch unterschätzen viele die Wirkung von Alkohol. Die Fachstelle für Suchtprävention in Homberg hatte deshalb zu einem Vortrag mit Suchtforscher Emmanuel Kuntsche eingeladen.

Alkohol sei die Droge Nummer 1 in Deutschland, sagt Kuntsche. Sie ist leicht erhältlich und hat eine fast 2000-jährige Tradition. Alkohol sei gesellschaftlich in den Alltag integriert: „Er wirkt euphorisierend und schmerzlindernd. Manche nutzen Alkohol auch, um ihre Schüchternheit zu überwinden“, sagt Kuntsche. Das mache Alkohol für viele Jugendliche attraktiv.

Die meisten gerieten dennoch nicht in die Suchtfalle: „Eine Alkoholsucht tritt normalerweise erst spät auf. Nicht jeder, der ein paar Mal zu viel trinkt, wird gleich Alkoholiker.“ Mit regelmäßigem Alkoholkonsum schädige man zwar seine Organe massiv. Viel schlimmer könne aber schon ein einmaliger Rausch sein – Unfälle mit dem Auto, Gewalt oder Streitigkeiten unter Freunden seien häufig die Folge. Dabei betont Kuntsche, dass mehr als 70 Prozent der Schäden, die durch Alkoholkonsum angerichtet werden, nicht von Jugendlichen, sondern von Erwachsenen verursacht werden.

Die Risiken sind groß

Die Vorbeugung gegen Alkoholmissbrauch sei aber wesentlich schwieriger als gegen die von Zigaretten. „Beim Rauchen ist längst bekannt, dass jede einzelne Zigarette der Gesundheit schadet. Doch bei Alkohol ist es schwierig zu definieren, welche Mengen noch als ungefährlich gelten“, sagt Kuntsche. Diese Mengen seien aber geringer, als viele meinten. Ein tägliches Glas Rotwein sei ungefährlich. „Sind es aber zwei bis drei Gläser täglich, steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken.“

Eine Fibel für den richtigen Umgang mit Alkohol gebe es jedoch nicht, sagt Kuntsche. Klare Regeln sollten vorgegeben, Ausnahmen aber zugelassen werden. Viele Eltern seien verunsichert, wann ihre Kinder zu viel und zu oft Alkohol trinken: Falls der Konsum wirklich erschreckend hoch sei, steckten oft tiefgreifende Probleme dahinter.

Karl-Christian Jany von der Fachstelle für Suchtprävention in Homberg empfiehlt Eltern in diesen Fällen, mit den Kindern darüber zu sprechen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Eines aber sollten sie auf keinen Fall tun: Vorwürfe machen.

Fachstelle für Suchtprävention: Die Fachstelle für Suchtprävention bietet zusammen mit Polizei und DRK für alle 8. Klassen Kurse zur Suchtprävention an. Dienstags gibt es eine Sprechstunde, in der Jugendliche über Probleme sprechen können. www.beratungsstelle-schwalm-eder.de

Quelle: HNA

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