Offenbarung psychischer Abgründe 

Kinderpornografie auf dem PC: Mann musste sich vor Gericht verantworten

Treysa. Weil er im Besitz Hunderter kinderpornografische Bilder war, musste sich ein 35-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten.

Laut Anklage hatte der Servicemitarbeiter nicht nur Internetseiten mit pädophilen Inhalten besucht. Auf seinem im November 2015 von der Polizei sichergestellten Computer fanden sich auch 909 Bild- und Filmdateien, welche unter anderem sexuelle Handlungen mit Säuglingen und Kleinkindern zeigten.

Zeugen waren nicht geladen. Zu Prozessbeginn erwog der Vorsitzende Richter den Ausschluss der Öffentlichkeit, der Angeklagte legte nach Beratung mit seinem Verteidiger keinen Wert darauf. Es schien ihm wichtig, vor Angehörigen reinen Tisch zu machen. Bereitwillig gab der unscheinbar und schüchtern wirkende Mann Auskunft zur Person, zu seinen persönlichen Verhältnissen, sexuellen Vorlieben und zur Tat.

Was folgte, war ein Monolog, der die psychischen Abgründe des Mannes offenbarte. Bis ins Detail berichtete der 35-Jährige von Zwängen, Störungen und der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten. Immer wieder stockte der Angeklagte und entschuldigte sich für seine kurzen, wie er sagte, Blackouts.

Seit dem vierten Lebensjahr würden ihn suizidale Angstgedanken plagen und hier liege auch der Grund für sein Interesse an kinderpornografischen Bildern, so der Mann. Detailliert schilderte er seine Vorgehensweisen bei verschieden Selbstmordversuchen.

Nach einem Suizidversuch sei er mit kinderpornografischen Internetseiten in Berührung gekommen, erklärte der 35-Jährige: „Danach hatte ich erstmals keine suizidalen Gedanken mehr.“

Der Angeklagte

Seine pädophilen Zwangsgedanken würden sich aber nur auf Bilder und keine realen Menschen beziehen, beteuerte der Angeklagte. Er habe das gemacht, um sich nicht das Leben nehmen zu müssen, versuchte sich der Angeklagte zu erklären: „Die pädophilen Zwangsgedanken sind ein Symptom meiner suizidalen Zwangsgedanken.“

Er hasse sich für seine Taten, sie seien sinnlos: „Ich würde so Sachen aber nicht kaufen, denn damit würde ich ja eine kriminelle Handlung unterstützen.“ Sein Mandant sei gewissermaßen Opfer von Zwängen, ergänzte der Verteidiger: „Eine Strafe bewirkt bei ihm nichts, er ist ja sein eigener Bestrafer.“

Eine vom Anwalt auch wegen des geringen Schadens ins Spiel gebrachte Verfahrenseinstellung widersprach der Richter energisch.

Das Gericht verurteilte den 35-Jährigen zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. Ferner wurde dem Mann auferlegt, sich einer Therapie zu unterziehen. Dies sei kein Kavaliersdelikt, mahnte der Richter und erinnerte an die Fotos missbrauchter Kinder: „Natürlich ist ein Schaden da. Weil Leute solche Bilder ansehen, werden solche Bilder produziert.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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