23-Jährige muss 1200 Geldstrafe zahlen

Prozess um Diebstahl: Kinderwagen als Versteck

Treysa. Nach einer turbulenten Verhandlung wurde eine 23-Jährige aus dem Altkreis Ziegenhain vom Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Geldstrafe verurteilt – wegen gemeinschaftlichen Diebstahls und falscher uneidlicher Aussage.

Sehr unruhig war es im Gerichtsaal, weil die alleinerziehende Mutter und ihre als Zeugin geladene Freundin ihre kleinen Töchter zum Prozess mitgebracht hatten.

Die beiden Mädchen rannten unter den ständigen Ermahnungen ihrer Mütter fröhlich durch den Raum, während der Sachverhalt erörtert wurde. Gemeinsam mit ihrer Freundin war die Angeklagte im November 2012 in einem großen Marburger Kaufhaus gewesen.

In der Parfümerieabteilung hatten die beiden jeweils zwei Parfümflakons im Gesamtwert von rund 300 Euro auf das Verdeck des Kinderwagens gelegt, in dem die Tochter der Angeklagten saß. Die Ware war durch den Faltenwurf des zurückgeschobenen Verdecks nicht mehr sichtbar, zudem hatte die Angeklagte noch ein Tuch darüber gelegt.

Das beobachtete die Kaufhausdetektivin, die ebenfalls als Zeugin geladen war, über die Überwachungskameras. Außerdem habe sich die Angeklagte nervös umgesehen. Die detektivin stellte die beiden Frauen zur Rede, kurz bevor diese in den Aufzug des Kaufhauses einsteigen wollten. Über diesen gelangt man sowohl in weitere Abteilungen des Kaufhauses, als auch ins Parkhaus.

„Wir wollten das Parfüm nicht stehlen, wir waren doch nur auf dem Weg in die Spielzeugabteilung“, beteuerte die 23-Jährige mehrfach.

Die als Zeugin geladene Freundin bestätigte dies. Sie selbst war bereits in einem gesonderten Prozess im April wegen des Diebstahls verurteilt worden. In diesem Prozess hatte die Angeklagte ebenfalls ausgesagt, ihre Freundin und sie hätten die Ware bezahlen wollen.

Weil der Richter ihre Schilderung nicht plausibel fand, musste sie sich nun zusätzlich vor dem Amtsgericht Schwalmstadt wegen falscher uneidlicher Aussage verantworten. Auch diesmal konnten die Frauen den Richter nicht überzeugen. Durch das Verstecken der Ware liege bereits ein vollendeter Diebstahl vor. Es komme nicht darauf an, dass die Angeklagte das Kaufhaus noch nicht verlassen hatte.

Dies, so die Angeklagte, habe sie nicht gewusst. Es sei doch üblich, unbezahlte Ware in andere Abteilungen mitzunehmen und diese erst vor Verlassen des Geschäfts zu bezahlen. Sie habe sich nichts dabei gedacht. Außerdem sei das Einkaufen mit Kind oft anstrengend, sagte sie mit Blick auf ihre kleine Tochter. Die Höhe ihrer Geldstrafe wurde auf 1200 Euro festgelegt.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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