Reihe Hospitalskonzerte: Martina Eisenreich-Quartett gastierte am Samstag in Treysa

Wie Kino für die Ohren

Farbenfrohe Tonpoesie: Christoph Müller, Martina Eisenreich, Stephan Glaubitz (von links, nicht auf dem Foto ist Wolfgang Lohmeier) verzauberten die Gäste in der Hospitalskapelle. Foto: Rose

Treysa. Schöner hätte eine Reise zum Mond wohl kaum sein können, als am Samstagabend in der Hospitalskapelle in Treysa. Die Konzertreihe „Neues in alten Räumen“ startete mit einem Trip zu musikalischen Sternen ins sechste Jahr. Zu Gast war das Martina Eisenreich-Quartett – launig, lieblich, virtuos, überirdisch schön und innig präsentierten sich die Musiker Martina Eisenreich (Geige), Christoph Müller (Gitarren), Stephan Glaubitz (Bass) und Wolfgang Lohmeier (Perkussion). Zu hören waren Werke ihres aktuellen Albums „Contes de Lune“, übesetzt „Tal des Mondes“.

Sinnlich und glühend verwoben die Musiker das Thema des prallen, kupferroten Mondes mit einer Landschaft voller fantasievoller und skurriler Geschichten. Gipsy, Klezmer, Film- und Weltmusik wurden zu obskurem Kino für die Ohren gemixt.

Allein das, was die Musiker den Instrumenten entlockten, lag zum Teil außerhalb der üblichen Sphären: Mit höchster Experimentierfreude machte sich das Quartett ans Werk, um nach den Sternen zu greifen.

Martina Eisenreich lenkte zudem mit erfrischender Ironie und ungekünstelter Lebenslust durch den Abend. Der Geige verlangte die Musikerin einiges ab: Zum Schluss deutlich sichtbar am strapazierten Bogen. Mal lüstern und leise, dann wieder expressiv und voller sprühender Leidenschaft bespielte Eisenreich das Instrument, das es eine wahre Freude war – sowohl beim Zuhören als auch beim Zuschauen.

Christoph Müller wusste die Saiten seiner Gitarren wohl zu dosieren – empathisch und emotional. Den Sternenstaub pustete Stephan Glaubitz vom Instrument: Er zupfte, strich, umfasste zärtlich den Hals des Kontrabasses. Mit reichlich „Klimbim“ zeigte Wolfgang Lohmeier sein Können. Ob Glocke, Trommel oder Schlagwerk – der Musiker experimentierte wild und wunderbar witzig.

Originelle Vertonungen

In die Klangwelten mischte Lohmeier Kuriositäten wie zwitschernde Kinderspielzeuge, den eigenen Bauch oder eine Wassertrommel. Die Sehnsucht stand Pate für Walzer, Czardas-Klänge, Inspirationen aus der Türkei und der Mongolei. Umwerfend originell war die Vertonung des Levels Eins bis Drei aus dem Computerspiel Tetris. Der Mix aus orchestraler Filmmusik, New Classics, Jazz und Folkloreklängen kam beim Publikum hervorragend an.

Eisenreich, die auch als Filmkomponistin arbeitet, sprengte in ihren Neukombinationen spielend die Grenzen der klassischen Musik. Die eigene, farbenfrohe Tonpoesie zog die Gäste in ihren Bann. Mit zwei Zugaben und einem Gute-Nacht-Lied verabschiedete sich das Quartett.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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