Ort entwickelte sich einst vom Kloster aus – Sonntag ist dort Rotkäppchentag

Kirche steht nicht im Dorf

Fleißig: Die Backfrauen (von links) Sabine Roßkopf, Käthe Blumenauer, Ottilie Weber und Erika Kimpel.

Immichenhain. Vom ehemaligen Kloster und seiner Kirche aus entwickelte sich der Ottrauer Ortsteil, die Hessische Staatsdomäne war einst der größte Arbeitgeber im Dorf, erzählte die heutige Pächterin Bärbel Weber. Beim Rundgang mit Ortsvorsteher Michael Kurz wird klar: Die Immichenhainer sind stolz auf ihre Geschichte. Doch auch heute hat das 650-Seelen-Dorf so Einiges zu bieten.

„Wir sind bei der Ernte immer 14 Tage hinter der Schwalm her“, sagte Pächterin Bärbel Weber über ihren Arbeitsalltag. Seit 27 Jahren bewirtschaften sie und ihr Mann das 200 Hektar große Anwesen in Immichenhain. Derzeit ernten sie die Wintergerste. In drei Jahren soll Schluss sein, dann setzt sich das Paar zur Ruhe.

Neben Wohnhaus, den großen Lagerhallen und Maschinenstätten liegen die Klosterkirche und die leerstehenden Klostergebäude. „Bei uns steht die Kirche nicht im Dorf“, so Ortsvorsteher Kurz. 2005 wurde der Innenraum saniert, nun diskutiert die Gemeinde über ein neues Altarmodell. Ein Entwurf aus Metall fand keine Zustimmung. Eine weitere Besonderheit dreht sich rund um Hochprozentiges: Seit 168 stellt die Familie Keil Schnaps und Liköre her. Zwei wohlschmeckende Erfindungen stammen aus ihrem Haus: der Schwälmer Hennes und das Rotkäppchen zum Trinken. Neben der Schweinzucht ist die Brennerei das zweite Standbein der Familie.

Die Frau der Liköre

„Ich habe nie Langeweile“, sagte Bettina Keil und lachte. Im Betrieb hat sie die Oberhand über die Spirituosen. Neben der Produktion bewirtet sie die Besuchergruppen, steht im Verkaufsraum und erledigt die Büroarbeit.

So richtig ins Zeug für Kulinarisches legen sich auch die Backfrauen des Dorfes. Allezwei bis vier Wochen heizen die fünf Frauen den Ofen an. Ihrer Ansicht nach geht nichts über Selbstgebackenes: „Meine Enkelin will immer nur Oma-Brot“, erzählte Erika Kimpel. Solange wie sie noch können, werden sie weiter Brote backen, da sind sich die Frauen einig.

Um halb vier werden die fünf kommenden Sonntag (4. August) aufstehen, um frischen Schwälmer Platz für den Rotkäppchentag in Immichenhain zu backen (Programm wird nachberichtet). Das ganze Dorf stimmt sich auf die Feierlichkeit ein und steckt in den Vorbereitungen. Auf den Zusammenhalt im Dorf kommt es an, machen der Frauentreff und der Seniorenstammtisch deutlich. Die Frauen kommen einmal monatlich zusammen, zur Andacht und zum Kaffeetrinken. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagte Anna-Elisabeth Dietz. Auch die älteren Männer, die alle in den zahlreichen Vereinen des Orts aktiv waren, kommen regelmäßig zusammen und packen im Dorf mit an: Verschönerungsarbeiten stehen auf dem Programm.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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