Demografischer Wandel: Mehr Beerdigungen als Taufen

Die Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder

Wolfhager Land. Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland verlieren Mitglieder. Nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Landesteilen, aber sichtbar ist dieser Trend auch im Wolfhager Land.

„Die Zeit der Volkskirchen ist vorbei, wir sind auf dem Weg zu einer Entscheiderkirche“, begründet der katholische Dechant Harald Fischer, Dekanat Kassel-Hofgeismar.

Zwischen den Jahren 2008 und 2012 hat der evangelische Kirchenkreis Wolfhagen etwas mehr als 1000 Gemeindeglieder verloren, am Stichtag 31. Dezember 2012 zählte er 25.503 Mitglieder. Der katholische Pastoralverbund St. Heimerad Wolfhager Land hingegen hat zwischen den Jahren 2008 und 2011 an Mitgliedern zugelegt. 202 Katholiken zählt der Verbund inzwischen mehr. Damit ist er allerdings die große Ausnahme. Im Dekanat Kassel-Hofgeismar, zu dem der Pastoralverbund gehört, sank die Zahl der Mitglieder von 64.413 auf 63.100. Dechant Harald Fischer sieht in dieser kleinen Zunahme dennoch keine Umkehr des laufenden Trends.

Beide Kirchenvertreter erklären, dass sie diese Entwicklung schon lange beobachten. Sie sei vor allem dem demografischen Wandel geschuldet. Die evangelische Kirche etwa habe bereits Ende der 1990er-Jahre entsprechende Prognosen aufgestellt, erklärt Dekan Gernot Gerlach. Die demografische Entwicklung führe dazu, dass ältere Menschen in ihrer Heimat blieben, während Jüngere der Arbeit wegen umzögen oder pendelten. „Das hat zur Folge, dass wir mehr Menschen im Alter begleiten und beerdigen, als wir Kinder taufen.“

Dazu kommt noch ein weiterer Punkt: In den Gemeinden sei immer stärker der Prozess erkennbar, dass die Menschen heutzutage nicht mehr einfach aus Tradition in einer Kirche Mitglied seien, sondern aus einer inneren Entscheidung, analysiert Dechant Fischer.

Von Rike Schockenhoff

Quelle: HNA

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