Kein Effekt im Schwalm-Eder-Kreis 

Kirchenaustritt ist einfacher: Was die Gemeinden davon merken

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Symbolbild Kirche

Schwalm-Eder. Vor etwas mehr als einem Jahr ist es einfacher geworden, aus der Kirche auszutreten. Die Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis merken davon nicht viel. 

Seit etwas mehr als einem Jahr können Kirchenaustritte nun schon bei den Kommunen vorgenommen werden. Den Effekt dieses leichteren Verfahrens werten die Kirchen im Schwalm-Eder-Kreis unterschiedlich. 

Die evangelische Kirche verzeichnet hessenweit seit Einführung des Verfahrens mehr Austritte, während die Katholische Kirche eher nicht damit rechnet.

Auf dem Land sind die Menschen kirchentreuer als in der Stadt

„Landeskirchenweit gab es bis Februar 2017 durchschnittlich 47 Austritte pro Woche, nach Änderung der Rechtslage sind es im Schnitt 94“, teilte Dekan Christian Wachter auf Anfrage der HNA mit. Im Schwalm-Eder-Kreis relativieren sich die Zahlen aber. So gab es beispielsweise im vergangenen Jahr 153 Austritte im Kirchenkreis Ziegenhain. Im Jahr 2016 waren es 145, 2015 waren 140. „Im ländlichen Raum sind die Menschen der Kirche treuer als in Städten“, sagt Dekan Wachter.

Auch im übrigen Schwalm-Eder-Kreis liegen die Zahlen in diesem Bereich, 156 Austritte gab es 2017 im Kirchenkreis Melsungen und 318 im Kirchenkreis Fritzlar-Homberg.

Kirchenaustritt: Die Gründe sind vielfältig

Zahlen für das Jahr 2017 liegen dem auch für den Schwalm-Eder-Kreis zuständigen Bistum Fulda hingegen noch nicht vor, Pressesprecher Christof Ohnesorge glaubt aber nicht, dass das erleichterte Verfahren einen Effekt auf die Zahl der Austritte hat. „Das ist ein reiner Verwaltungsakt und macht im Prinzip keinen Unterschied.“ Austrittswellen hätte die Katholische Kirche hingegen in immer dann erlebt, wenn Skandale aufkamen, wie die Missbrauchskrise oder der spätere Finanzskandal um Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst.

Die Gründe für die Austritte seien unterschiedlich, wie Dekan Wachter berichtet. „Den einen geht die Kirche in gesellschaftlich-politischen Fragen zu weit, andere finden Kirche zu unpolitisch. Die einen sagen, Kirche sei zu liberal, andere empfinden sie als zu festgefahren.“ 

So hat Hessen das Gesetz zum Kirchenaustritt verändert

Wer die Kirche verlassen will, muss in Hessen seit etwas mehr als einem Jahr nicht mehr zum Amtsgericht gehen, sondern zu seiner Gemeinde- oder Stadtverwaltung. „Das ist unter dem Aspekt der Bürgerfreundlichkeit vorteilhaft“, heißt es in der Begründung der Gesetzesänderung, wie sie die schwarz-grüne Landesregierung vorgelegt hat. 

In Hessen gibt es 426 Städte und Gemeinden mit eigener Verwaltung, aber nur 41 Amtsgerichte. Hessen passt sich mit der Neuregelung Gesetzen an, wie sie in anderen Bundesländern teilweise schon bestehen. Grund für die Initiative war nicht, den Austritt aus der Kirche zu erleichtern, sondern steuerliche Regelungen.

Quelle: HNA

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