Umgang mit Mikrokunststoffen

Kläranlage in Ehlen: Reinigungsleistung soll überprüft werden

+
Biologische Reinigung im Klärwerk Ehlen: In dieser zweiten Klärstufe sorgen Bakterien für einen Abbau der Schadstoffe. Polymere, wie sie in vielen Kosmetikprodukten vorkommen, können sie nicht abbauen.

Habichtswald. Ist das Wasser, das nach einem Reinigungsprozess die Kläranlage in Ehlen verlässt, ausreichend sauber? Die Gemeindevertreter Habichtswalds hegen zumindest Zweifel und wollen es ganz genau wissen.

Deshalb folgten sie während ihrer jüngsten Sitzung geschlossen einem Antrag der SPD-Fraktion. Sie beauftragten den Gemeindevorstand zu prüfen, ob sich die Reinigungsleistung der Kläranlage aus dem Jahr 1999 verbessern lässt.

Ganz speziell geht es den Kommunalpolitikern um synthetische und halbsynthetische Polymere sowie um Mikroschadstoffe. Diese sind enthalten in zahlreichen Kosmetik- und Reinigungsprodukten. Zu ihren Eigenschaften zählt, dass sie nicht wasserlöslich sind, sich biologisch nicht abbauen lassen und damit schädlich für die Umwelt sind. Als Bestandteil bei der Herstellung von Kunststoffen erfüllen sie in fester, flüssiger und gelartiger Form unterschiedliche Funktionen.

Ohne eine Behandlung in Kläranlagen gelangen die Polymere in Bäche wie die Warme. Von dort treten sie über Flüsse ihren Weg in die Meere an. Die Umweltorganisation Greenpeace hat längst Alarm geschlagen, weil sich der Anteil der Mikrokunststoffe in den Weltmeeren dramatisch erhöht hat und die Stoffe über die dort lebenden Tiere in die Nahrungskette gelangen.

Die meisten Polymere aus Schampons, Duschgels, Cremes und Peelings landen über die Abwässer in Kläranlagen. Viele Anlagen reinigen die ankommende Abwasserfracht in einem dreistufigen Prozess zunächst mechanisch, dann biologisch und schließlich auf chemischen Wege. So arbeitet auch die Kläranlage vor den Toren Ehlens. Die synthetischen Polymere reichern sich im Klärschlamm an und werden im Falle der Gemeinde Habichtswald auf einem Vererdungsbeet ausgebracht, wo spezielle Pflanzen dem Schlamm Wasser entziehen und so für eine Volumenreduktion sorgen. Zudem pumpen einige Kläranlagen einen Teil der Polymere zusammen mit dem geklärten Wasser in die Gewässer. Neben diesen von Greenpeace als gesundheitsgefährdeten eingestuften Stoffen würden die gemeindlichen Klärwerke auch durch Medikamente belastet, sagt Bürgermeister Thomas Raue (SPD).

Wie genau die Kläranlage in Ehlen im Umgang mit den langkettigen Kunststoffen arbeitet, soll nun eruiert werden. Zudem soll geprüft werden, ob ein so genannter Notfallsensor eingebaut werden kann. Dieser misst und überprüft das ins Klärwerk einlaufende Abwasser. Würden gefährliche Substanzen eingeleitet, würde ein Mechanismus in Gang gesetzt, der den Zufluss unterbricht und das Abwasser in ein Rückhaltebecken leitet.

Bestandteil vieler Kosmetikprodukte

Als Polymere werden Moleküle bezeichnet, die aus langen Ketten bestehen. Man unterscheidet natürliche, halbsynthetische und synthetische Polymere. Natürliche Polymere kommen in der Natur vor, zu ihnen zählen Wolle, Bernstein, Zucker und Gene. Halbsynthetische Polymere sind natürliche Stoffe, die chemisch verändert wurden – ein gutes Beispiel ist vulkanisiertes Gummi in Autoreifen. Synthetische Polymere wurden künstlich hergestellt, aus dem Alltag sind sie kaum wegzudenken. Sie kommen in Verpackungen, Kosmetik- und Pflegeprodukten vor, aber auch in der Landwirtschaft, in Möbeln und im Bauwesen. 

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare