Wegen neuer Grenzwerte

Klärwerk Melsungen muss für 3,8 Millionen Euro umgebaut werden

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Sie prüft die Qualität der Klärschlammerde: Auszubildende Heather Lee-Ann Hetzer aus Rotenburg nimmt eine Probe im Melsunger Klärwerk. 

Melsungen/Körle. Für Schmutzwasser müssen die Melsunger und Körler wahrscheinlich bald etwas mehr bezahlen. Am Klärwerk in Melsungen sind Umbauarbeiten notwendig.

Die Stadt geht derzeit von Kosten von 3,8 Millionen Euro aus. Im Jahr 2018 sei eine Erhöhung der Gebühr für die Melsunger allerdings ausgeschlossen, sagt Finanzabteilungsleiterin der Stadt Cornelia Ritter-Wengst. „Nach der jetzigen Einschätzung werden die Gebühren in Melsungen bis einschließlich 2019 stabil bleiben.“ Erst mal müsse geklärt werden, ob es vom Land Hessen Fördergeld für den Umbau der Kläranlagen geben wird. Die Gemeinde Körle, die seit 2014 ans Melsunger Klärwerk angeschlossen ist, muss ebenfalls einen Teil der Kosten tragen. Laut dem Melsunger Bauamtsleiter Martin Dohmann werden die Kosten nach der Einwohnerzahl aufgeteilt. „Für die Körler ist der Anschluss aber nach wie vor ein guter Deal.“

Grund für den Umbau sind neue Grenzwerte, die das Land Hessen für den Phosphorgehalt des Wassers festgesetzt hat. Bisher durfte das geklärte Wasser, das in die Flüsse geleitet wird, je Liter 1,6 Milligramm Phosphor enthalten, nun sind es nur noch 0,5 Milligramm.

Außerdem muss Klärschlamm künftig wesentlich aufwendiger aufbereitet werden. Auf einen Großteil der Felder in Melsungen darf wegen neuer gesetzlicher Vorgaben überhaupt kein Klärschlamm als Dünger mehr aufgebracht werden, weil sie sich in Zone 3 eines Wasserschutzgebietes zu nah an einer Trinkwasserquelle befinden. „Vorher muss nun der Phosphor aus dem Klärschlamm raus“, sagt Bauamtsleiter Martin Dohmann. Bisher galt diese Regelung nur für Felder in den Zonen 1 und 2 eines Wasserschutzgebietes – Zone 1 liegt am nächsten an der Trinkwasserquelle.

Phosphor begünstigt die Algenbildung in den Meeren, erklärt Bauamtsleiter Martin Dohmann. Mit neuen Grenzwerten soll zum einen die Algenbildung reduziert und zum anderen aber auch wertvoller Phosphor zurückgewonnen werden. Das Vorkommen von natürlichem Phosphor werde nämlich immer kleiner, erklärt Dohmann. In der Landwirtschaft könne aber als Dünger nicht darauf verzichtet werden. Auch der Stickstoffgrenzwert des Wassers soll bald weiter sinken. „Für uns wird die Aufbereitung des Wassers also insgesamt aufwendiger“, sagt Dohmann.

Wenn der Klärschlamm nämlich künftig nicht mehr von den Landwirten abgeholt werden darf, muss er in der Kläranlage entwässert werden. Dadurch muss die Anlage wiederum mehr Stickstoff abbauen, erklärt Dohmann. Ein neues Becken, dessen Bau etwa 3,8 Millionen Euro kosten wird, ist dafür erforderlich. „Wir wollen die Planung dafür nächstes Jahr abgeschlossen haben“, sagt Dohmann. „Auf jeden Fall muss das Ganze schnell umgesetzt werden.“

Quelle: HNA

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