Lobenhäuser Kammermusikwoche sorgte für anhaltende Begeisterung

Klangvolles Pfingstfest

Zwei von Dreien: Das Edgar Knecht-Trio mit Edgar Knecht (links) und Rolf Denecke. Foto:  Kuberczyk-Stein

Lobenhausen. In der Kirche der Seligpreisungen strahlte die Musik – draußen, in der Pause, das mit einem Glas in der Hand genossene Flair einer Frühlingsnacht mit sommerlichen Temperaturen. Die Kammermusikwoche vom 25. bis 28. Mai in Lobenhausen ließ das Publikum in jeder Hinsicht schwelgen. Gemeindepfarrer Heinz-Ulrich Schmidt-Ropertz ebenso: „Ich bin sehr erfreut. Die Konzerte waren wunderbar besucht.“

Die aktuellen Veranstaltungen lockten so viele Besucher an, dass die Sitzplätze oft nicht ausreichten. Auch auf dem Treppenaufgang zur Kanzel lauschten die Musikfreunde. Das war so zur Eröffnung mit dem Enos-Quartett, am folgenden Tag dem Jazz-Klassik-Pfiffikus Edgar Knecht, am Sonntag, als das Trio Cordiale auftrat und am Montag bei den Filigran-Musikern des Spohr-Ensembles Kassel.

Beispielhaft für die großartige musikalische Qualität stehen gleich zwei Konzerte. Etwa das mit dem Edgar Knecht Trio. Wenn der Sympathieträger Knecht mit seinem Klavier verschmilzt, dann ist im Grunde schon der Anblick beste Unterhaltung. Ein Vollblutmusiker. Den Körper bewegt er während des Spielens auf und ab, das Mienenspiel gleicht einem Antifalten-Training. Die Musik, die er und seine ebenfalls großartig aufspielenden Bühnenkollegen, Rolf Denecke (Kontrabass) und Tobias Schulte (Schlagzeug), kredenzten, war ein Ohrenschmaus.

„Good Morning Lilofee“ heißt Knechts aktuelle CD. Im Mittelpunkt stehen Volkslieder, alte Weisen und persönliche Berührungsmomente des Musikers sowie beim Schlaflied für seine Tochter. Liest man die Titel – „Froh zu sein bedarf es wenig“, „Heisses Kathreinerle“ , „Die Gedanken sind frei“ – dann denkt man „kenn ich“, doch in dieser herrlichen Interpretation sicher noch nicht. Klassisch romantisch gefärbte Klavierpassagen verbinden sich mit intelligenten und dynamisch anschwellenden Jazz-Arrangements.

Mal verträumt, mal frech

Stimmungswechsel und Spannungsbögen harmonieren prächtig. Mal verträumt, mal frech und verspielt jongliert Knecht mit den bekannten Melodien. Eines der Höhepunkte: „Maria durch ein Dornwald ging“, begleitet vom Staatstheater-Cellisten Wolfram Geiss. Emotion pur.

Lautstarken Applaus gab es auch für das Spohr-Ensemble Kassel, das sich am Montag mit Gusieppe Tartinis Teufelstrillersonate, Franz Schuberts Adagio und Rondo A-Dur und Schuberts Forellquintett in bestechender Spiellaune präsentierte.

Als Quintett

Normalerweise werden diese Werke von kompletten Orchestern vertont. Dem Kasseler Ensemble gelang das prächtig auch als Quintett. Ausgezeichnete Abstimmung, exzellente spieltechnische Fertigkeiten zeichnete das Spiel dieser Formation aus. Im Mittelpunkt stand dabei die Solo-Violine von Katalin Hercegh. Dickes Lob aber auch für Helmut Simons, der auf seiner Violine für perfekte Zuspiele sorgte, die behände Susanne Berendes (Violine), Joachim Schwarz (Violine), den einfühlsamen Michael Kravtchin (Klavier) und für Cellist Wolfram Geiss, der seinem Instrument Tiefe und Eleganz entlockte und das souveräne Kontrabass-Spiel von Tom Bruhn. Lang anhaltender Beifall.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Quelle: HNA

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