Schüler der Herwig-Blankertz-Schule demonstrieren gegen schlechte Lernbedingungen

Klassen kalt und klein

Hoffnungsvoller Start: Vor drei Wochen strömten die ersten Schüler in die neuen Gebäude der Herwig-Blankertz-Schule. Nun offenbaren sich Startschwierigkeiten. Archiv: Norbert Müller 

Wolfhagen. Die Schüler der frisch bezogenen Herwig-Blankertz-Schule auf dem ehemaligen Wolfhager Kasernengelände sind sauer: „Wir frieren seit drei Tagen und haben inzwischen alle einen Schnupfen“, sagt Akin Bekir. Bei einer Raumtemperatur von knapp 14 Grad sei das kein Wunder.

„Seit drei Wochen fällt Datenverarbeitung aus, weil das Internet nicht funktioniert. Wir sind die Fachoberschul-Abschlussklasse und haben in diesem Schuljahr nicht viel Zeit“, so Serpil Gülseven. Dabei habe sie sich sehr auf die neue Schule gefreut. „Aber die Klassenräume sind nur 60 Quadratmeter groß. Das sind zwei Quadratmeter pro Schüler“, hat Sarjana Pomasenko ausgerechnet, und Kathleen Boucsein beklagt sich über die schlechte Akustik in den Räumen. Auch gebe es zu wenig Bücher. „Von 30 Schülern haben nur 24 ein Buch erhalten.“

Kritik üben die Schüler der beiden Fachoberschulklassen auch an den langen Buswartezeiten von bis zu einer Stunde. Gegen diese Bedingungen in der vor drei Wochen neu bezogenen Berufsschule haben rund 60 Schüler der Abschlussklassen gestern auf dem Schulgelände mit Transparenten demonstriert. Dabei wurden sie nicht nur von Mitschülern und Lehrern beobachtet, sondern auch von den Mitgliedern des Wolfhager Magistrats, die die Schule besichtigten und dort tagten.

Souverän reagierte Schulleiter Karl Völksen. Er hörte sich die Vorwürfe der Schüler an und zeigte Verständnis für deren Unmut. „Das sind aber Startschwierigkeiten.“ Man arbeite ohnehin mit Hochdruck an der Lösung der bekannten Probleme.

Die Heizung benötige eine Anlaufzeit von drei Tagen. Mit der Kälte habe man nicht gerechnet. Das Problem der kleinen Klassen sei bekannt, so Völksen. Man sei von der hohen Zahl von 30 Schülern pro Klasse überrascht worden und schaue nach Ausweichmöglichkeiten. Die Ausstattung mit Smartboards lasse auf sich warten. Deshalb werde man jetzt für den Übergang traditionelle Tafeln anbringen. Auch in Sachen Busverkehr arbeite man an einer Lösung. „Wir überlegen, die Schulanfangszeiten zu verändern, um unnötige Wartezeiten für die Schüler zu vermeiden“, erklärt Völksen.

Verständlich findet man den Schülerprotest beim Kreis. „Allerdings sind das Anlaufprobleme“, so Pressesprecher Harald Kühlborn. Er könne zusagen, dass sich nichts davon als Dauerbrenner entwickele. Die Internetnutzung verzögere sich, weil sich die Lehrer ein neues Betriebssystem gewünscht hätten und die Smartboard-Firma habe Lieferschwierigkeiten. In Sachen Klassengröße werde man kurzfristig eine Lösung finden. Ebenso beim Busproblem. Die Heizung laufe inzwischen.

Schulleiter Karl Völksen beruhigte die Schüler: „Ihr müsst jetzt keine Angst haben, dass ihr aufgrund dieser Probleme die Anforderungen nicht schafft.“

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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