Er wollte als Kind Widerstandskämpferin Sophie Scholl heiraten

Ein Christkind: Klaus Rennicke aus Zierenberg feiert am heutigen Heiligen Abend seinen 76. Geburtstag. Foto: zih

Zierenberg. Noch heute bezeichnet Ingeborg Rennicke ihren Ehemann Klaus als „mein Christkind.“ Denn auch er wurde an einem Heiligen Abend, exakt am 24. Dezember 1936, in Biedenkopf-Ludwigshütte geboren.

Klaus wuchs aber in Ulm auf, denn bereits drei Monate nach seiner Geburt zog die Familie durch den Beruf seines Vaters nach Ulm in ein Haus direkt neben dem Münster.

In der Wohnung über ihnen wohnte die damals 19-jährige Sophie Scholl, die als Widerstandkämpferin gegen den Terror der Nationalsozialisten am 22. Februar 1943 von den Nazi-Schergen hingerichtet wurde. Klaus Rennicke: „Sie hat mich und meinen zwei Jahre älteren Bruder immer gut behütet, war für mich, ich war damals fünf, wie unser zweites Kindermädchen. Ich habe mich unsterblich in sie verliebt, machte ihr einen Heiratsantrag. Was Sophie auch in ihren später publizierten Aufzeichnungen festhielt.“

Immer gut versorgt

Als Ulm 1944 im Bombenhagel versank, wurde Klaus zu seinen Großeltern nach Biedenkopf geschickt. Zurück zum gemeinsamen Geburtstags- und Weihnachtsfest. Der heute 76-jährige pensionierte Bundesbahnbeamte erinnert sich. „Unsere Familie war materiell immer gut versorgt. So bekam ich immer ein Geburtstags- und auch ein Weihnachtsgeschenk. Was ich damals bekam, daran kann ich mich bis auf eine Ausnahme nicht mehr erinnern. Wobei ich aber mein Geburtstagspräsent immer zusammen mit dem Weihnachtsgeschenk erst bei der Bescherung unterm Christbaum auspackte. Da war ich dann mit einem Geschenk mehr gegenüber meinen Brüdern immer eine Nasenlänge voraus.“ Die Ausnahme, die ihm wenig Freude machte, schenkte ihm sein Großvater, der unter anderem auch Kaninchen züchtete. „Das war ein vom Opa selbst angefertigter wärmender Handmuff aus Hasenfell. Den trugen Mädchen und Frauen, aber doch kein Junge“, erzählt er.

Seine aus Zierenberg stammende Frau lernte Klaus Rennicke, der beruflich von Biedenkopf zur Bahndirektion nach Kassel gewechselt war, beim Abschlussball mit Siegerehrung eines Stenografie- und Schreibmaschinen-Wettbewerbs kennen. „Da konnte ich mich zwar nicht ganz vorne platzieren, habe aber trotzdem den ersten Preis gewonnen, nämlich meine Ingeborg für einen gemeinsamen Lebensweg kennen- und lieben gelernt. Das war, zusammen mit der Geburt unseres Sohnes, der uns wiederum einen Enkel schenkte, das schönste und beste Geschenk in meinem Leben.“ (zih)

Quelle: HNA

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