Rückzug aus dem Stadtparlament

Klaus-Ulrich Gielsdorf geht: „Wir sind bankrott“

Ergriff immer wieder das Wort: Unser Foto von Klaus-Ulrich Gielsdorf entstand bei einer der Informationsveranstaltungen zum geplanten Neubau der Sicherungsverwahrung im Herbst 2011. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Eine vernehmliche, bisweilen unbequeme und auch streitbare Stimme in der Schwalmstädter Politik verstummt: Klaus-Ulrich Gielsdorf von den Freien Wählern hat seinen Rückzug aus dem Stadtparlament bekannt gegeben.

Gielsdorf war 1980 Mitbegründer der Freien Wähler Schwalmstadt und insgesamt 25 Jahre lang FWG-Fraktionsvorsitzender, aktuell war er auch Vorsitzender der Haupt- und Finanzausschusses. Über seine Nachfolge ist noch nicht entschieden.

Für Gielsdorf, der nächsten Monat 70 Jahre alt wird, ist die Haushaltslage der größten Stadt im Landkreis immer das bestimmende Thema gewesen, und die krisenhafte Situation ist es auch, die ihn in diesen Tagen zu seinem Rückzug brachte, berichtete er im Gespräch mit der HNA. Gegenwärtig habe Schwalmstadt Schulden in Höhe von 104 Mio. Euro, Gielsdorf: „Wir sind bankrott, da kommen wir nicht heraus.“ Die Schwalmstädter müssten aktuell zum Beispiel über Wasser- und Abwassergebühren dafür gerade stehen, dass hohe Pensionärsrücklagen im Stadtwerke-Haushalt gebildet werden müssten.

Wollte schon länger aus Altersgründen aufhören

Er habe schon länger vorgehabt, die Arbeit in der Stadtpolitik aus Altersgründen aufzugeben, allerdings sei ihm der Bürgermeisterwahlkampf, in dem er sich persönlich für Dr. Gerald Näser (CDU) eingesetzt hatte, noch wichtig gewesen. Auch habe er nicht binnen dessen ersten 100 Tagen gehen wollen. Zu der Frage, ob er auf den falschen Kandidaten gesetzt habe, bezog Gielsdorf nicht unmittelbar Stellung. Für ihn bedeute es aber „ein falsches Spiel“, wenn die CDU nun argumentiert, man hätte unter den Rettungsschirm schlüpfen sollen, „die CDU hat die Fehler doch alle mitgetragen“.

Der rote Faden in der Arbeit der Freien Wähler sei vernünftige Haushaltspolitik, sagte Gielsdorf. Auch seien die Freien Wähler für Investitionen, allerdings sollte dabei „nicht ein Investor bevorteilt werden“. Ebenfalls wichtig sei die Bürgernähe, deshalb seien die Versammlungen der FWG öffentlich, „jeder soll erfahren können, was los ist“.

Nach Gielsdorfs in Resümee haben sich seine Voraussagen zur Haushaltssituation und zum Wieragrund stets zu nahezu 100 Prozent bewahrheitet.

Gielsdorf war vor allem ein scharfer Mahner gegen den Bau der Wieragrundstraße auf Kosten der Öffentlichkeit. Die Förderung der 6 Mio. Euro teuren Straße ist dabei noch nicht endgültig in trockenen Tüchern, da die neue Straße nach Ansicht von Kritikern doch den sogenannten förderschädlichen Erschließungscharakter haben könnte - wegen der Zufahrt zum Center-Parkdeck. In dessen letzten Amtsjahren hatte Gielsdorf Bürgermeister Wilhelm Kröll (SPD) auch deswegen immer wieder heftig attackiert.

Seinen Sitz im Kreisausschuss will der ehemalige Eon-Gesamtbetriebratsvorsitzende Gielsdorf behalten, jedoch voraussichtlich nicht ein weiteres Mal dafür antreten, sagte er unserer Zeitung.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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