Stämme wurden bei Kanalarbeiten entdeckt

Kleine Sensation: In Balhorn gefundene Fundamentbalken sind über 500 Jahre alt

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Blick in die Vergangenheit: Mitte Juni wurden in Balhorn bei Kanalbauarbeiten vor der Gaststätte Reitze die Reste des Holzfundaments im Untergrund gefunden.

Balhorn. Für die Heimatforscher in Balhorn ist das Ergebnis eine kleine Sensation: Die vor wenigen Wochen im Dorf bei Kanalbauarbeiten gefundenen Fundamentstämme, die dem früheren Pfarrhaus zugeordnet wurden, sind über 500 Jahre alt. Dies ergaben Untersuchungen in einem Göttinger Labor.

Ortsvorsteher Karl-Heinz Dorer und Ortsbeiratsmitglied Dr. Martin Kugler hatten nach der Entdeckung des Holzes Proben von zwei Stämmen entnommen und in das Göttinger Labor zur dendrochronologischen Datierung gebracht. Da von einem der Stämme sogar noch die Rinde erhalten war, habe sich das Fälldatum exakt bestimmen lassen: „In dem dendrochronologischen Gutachten wurde als Fälljahr der Herbst 1479 beziehungsweise das Frühjahr 1480 bestimmt“, so Martin Kugler. Bei den Stämmen handele es sich um Buchenholz. Einer der beiden Bäume, ergaben die Untersuchungen weiter, sei im Jahr 1316 und der andere im Jahr 1327 gepflanzt worden.

„Wir können daher mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es sich bei den Stämmen um die Fundamente des alten Balhorner Pfarrhauses handelt“, so Martin Kugler weiter. Die Stämme seien aufgrund des feuchten Untergrunds als Fundament verwendet worden. Unter Luftabschluss könne sich Buchenholz in einer feuchten Umgebung über Jahrhunderte in gutem Zustand erhalten. Auf den Stämmen lagen massive Sandsteine, die untereinander mit grauem Ton abgedichtet waren.

Das Pfarrhaus war Teil der Wehranlage um die Balhorner Kirche. Nach alten Erzählungen hatte das Pfarrhaus im Untergeschoss ein Meter dicke massive Wände, mit einer Höhe von drei Metern. Die bei den Kanalbauarbeiten gefundenen Fundamentstämme lagen in zwei Reihen und hatten eine Gesamtbreite von 80 Zentimetern. Das massive Untergeschoss war mit Schießscharten versehen, die den noch erhaltenen Scharten am Torhaus des Balhorner Kirchhofs ähnelten. Auf dem massiven Untergeschoss befand sich vermutlich ein Fachwerkoberbau.

Bewegte Geschichte 

Das Pfarrhaus hatte eine bewegte Geschichte. So war es seit 1523 das Wohnhaus des ersten evangelischen Pfarrers in Balhorn, der Werner Bröske hieß und dessen Nachkommen noch heute in Balhorn wohnen. Im 30-jährigen Krieg brannte der Oberbau ab, was sich durch Brandreste bei den gefundenen Fundamenten bestätigte.

In einem Dokument aus dem Jahr 1658 wird berichtet, dass das alte Pfarrhaus nach dem Brand in einem schlechten Zustand wieder errichtet worden war. Bereits 1652 hatte man daher auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchhofs ein neues Pfarrhaus gebaut. 1861 wurde das alte Pfarrhaus schließlich verkauft und auch der massive Unterbau abgerissen. (nom)

Quelle: HNA

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