Krankenhäuser sehen Schwächen bei geplanten Gesetzen – Qualität schwer messbar

Kliniken kritisieren Reform

Das Recht der Patienten auf Zweitgutachten soll gestärkt werden: Bevor sie sich unters Messer legen, können sie öfter eine zweite Meinung einholen. Foto:dpa

Schwalm-Eder. Die von der Bundesregierung geplante Krankenhausreform stößt im Landkreis auf geteilte Meinungen. Für Heinrich Gerdes geht die Reform „an der Realität vorbei“. Der Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist in Fritzlar bemängelt, dass die Politik drei „große Probleme“ nicht angegangen sei.

Dazu zählt er die fehlende Refinanzierung der Personalausgaben. Zudem sei in den Krankenhäusern ein Investitionsstau zu beseitigen, und auch die Finanzierung der Notfallambulanzen sei nicht berücksichtigt worden. Kritisch sieht Gerdes auch die Qualitätsprüfung. Er sorgt sich, dass sie zu einer Arbeitsverdichtung und einem Dokumentationsaufwand „ohne Ende“ führen wird. Welche Konsequenzen die Reform konkret für das 142 Betten umfassende Hospital in Fritzlar hat, vermag der Geschäftsführer noch nicht zu beurteilen.

„Es gibt Licht und Schatten“, sagt Dr. Dirk Fellermann, Regionalgeschäftsführer der Asklepios-Kliniken Nordhessen zu den Plänen. Er vermutet, dass es schwierig sein wird, Qualitätskriterien auszuarbeiten, die rechtssicher sind. „Es wird eine Klagewelle geben“, ist er überzeugt.

Die Krankenhäuser in Schwalmstadt und Melsungen könnten laut Fellermann für ihren guten Zulauf bestraft werden. Wenn ein Krankenhaus mehr Leistungen erbringt als das Budget vorsieht, wird derzeit ein Abschlag von 25 Prozent fällig. Dieser Abschlag könnte ab 2017 auf 40 bis 60 Prozent steigen.

Budgetkürzungen erwartet

Auch eine andere Rechnung geht nach Aussage des Regionalgeschäftsführers nicht auf. Auf der einen Seite stehe zwar das Förderprogramm der Pflegekräfte in Höhe von 330 Millionen Euro. Auf der anderen Seite werde jedoch der Versorgungszuschlag um 500 Millionen Euro gekürzt. Dies führe bundesweit zu Budgetkürzungen.

SPD-Bundestagsabgeordneter Edgar Franke begrüßt die Reform und sieht Chancen für den ländlichen Raum. „Auch künftig muss auf dem Land ein ausreichendes medizinisches Versorgungsangebot gewährleistet sein. Deshalb sind kleine Krankenhäuser, die für die Grundversorgung notwendig sind, besser finanziell zu unterstützen“, erklärt der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit. Bei Unterversorgung könnten Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet und somit wirtschaftlich gestärkt werden.

Auf eine positive Entwicklung der medizinischen Versorgung in Nordhessen hofft CDU-Bundestagsabgeordneter Bernd Siebert. Er setzt darauf, dass durch die Gesetze die Versorgung gesichert wird.

Hintergrund

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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