Klosterspiele begeistern mit "Der Glöckner von Notre Dame"

Merxhausen. Wem beim „Glöckner von Notre Dame“ romantisierte Verfilmungen wie die mit Anthony Quinn und Gina Lollobrigida oder verkitschte Zeichentrickstreifen im Hinterkopf spuken, sollte sich von diesen Vorstellungen verabschieden. Bei den Klosterspielen Merxhausen geht es anders zu. 

Die Klosterspiele Merxhausen bringen mit ihrer Version die realistische Saite des Mittelalters zum Klingen, die düsteren und ganz dunklen Töne einer in Arm und Reich gespaltenen und orientierungslosen Gesellschaft, deren Sitten in beiden Lagern gleichermaßen verroht sind, dominieren.

Victor Hugo (1802 - 1885) versetzt in seinem Roman zurück ins spätmittelalterliche Paris des Jahres 1482, verwebt mehrere Handlungsstränge raffiniert und mit intensiver Personenzeichnung zu einem dichten Gespinst von Lebens- und Liebesgeschichten. Dieses bühnenwirksam und zuschauerfreundlich zu entflechten, ist die große Herausforderung, der sich jede Glöckner-Inszenierung zu stellen hat.

Gemeinschaftsregie

Die Klosterspiele haben es unter Gemeinschaftregie von Günther Treptow, André Gröning, Rosemarie Neumeyer und Heike Sartor geschafft, die anspruchsvolle, aber sprachlich sperrige Theaterversion zu entzerren und neben den zentralen Figuren des missgestalteten, gequälten Quasimodo mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn (Jan Dzierzenga in kraftvoller Präsenz) und der nach Liebe und ihrer Mutter suchenden Zigeunerin Esmeralda (Alexandra Kohl mit Temperament und großer Eindringlichkeit) auch jenen anderen Charakteren Raum zu geben, die symbolische Vertreter für andere gesellschaftliche Schichten dieser von Aberglauben und Machtdenken bestimmten Epoche sind.

Hier sei neben dem königlichen Hauptmann Phöbus und seiner oberflächlichen Lebenseinstellung (Christian Beilstein) vor allem Erzdiakon Frollo (André Gröning) genannt - ein Kirchenmann mit Hang zur schwarzen Magie, der letztlich am Widerstreit zwischen Liebesgefühl und seinem kirchlichen Gelübde scheitert.

Bilder von der Premiere

Klosterspiele Merxhausen: Der Glöckner von Notre Dame

Vor ebenso schönem wie bestechend funktionalem Bühnenbild zeigen die Klosterspieler nach leicht stockendem und etwas zu langatmigem Einstieg eine sich an Dichtheit und Ausdrucksstärke bis zum bitteren Ende ständig steigernde Gemeinschaftsleistung.

Quelle: HNA

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