Ziegenhainer Knast: Anlieger protestieren gegen geplanten Neubau Sicherungsverwahrung

Ziegenhain. Mit dem Fortschreiten der Planungen für den Neubau Sicherungsverwahrung am Ziegenhainer Gefängnis wächst die Sorge von Anwohnern am Wallgraben.

Mit künftig direktem Blick auf äußerst gefährliche Verbrecher fürchten sie zum einen um ihre Sicherheit, zum anderen sehen sie ihre Wohnqualität in einer der besten Wohnlagen Ziegenhains erheblich beeinträchtigt.

„Wenn dieser Klotz auf diesem engen Baufeld nicht verhindert werden kann, dann ist der Forderung nach einer maximal zweigeschossigen Bauweise und damit nach Verringerung der Mauerhöhe dringend nach zu kommen“, verlangt Wallgraben-Anwohner Holger Meyer. Zwar gebe es keine direkte Nachbarschaft, aber immerhin Häuser, die nur knapp 50 Meter vom geplanten Standort auf dem Bedienstetenparkplatz entfernt lägen. Nicht nachzuvollziehen ist aus seiner Sicht das Verhalten der Denkmalpflege. Ihm sei aus dieser Richtung noch kein Einspruch zu diesem „geplanten Schandfleck“ bekannt.

Nicht nur die Aussicht auf ein möglicherweise nicht ansprechendes Gebäude und der Eingriff in die historische Bausubstanz der Wasserfestung stören ihn und seine Nachbarn. Beunruhigt seien Anlieger auch, dass verurteilte Schwerverbrecher eventuell direkt auf ihre Grundstücke oder durch die Fenster ihrer Wohnhäuser gucken könnten, erklärte Meyer. Nicht klar ist den Anwohnern zudem, ob sich Sicherungsverwahrte künftig bei Freigängen außerhalb des Areals bewegen dürfen.

Wallgraben-Anlieger Manfred Auffahrt kritisiert die Informationspolitik im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau. Die sei im Prinzip Staffage. Das habe er bei der Diskussion um den Erweiterungsbau in den 1980er-Jahren bereits schon einmal erlebt.

Meyer erwägt gegebenenfalls auch juristische Schritte einzuleiten. Das Gefängnisgebäude hätte auch auf der grünen Wiese entstehen können, ist er überzeugt – und nicht in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet und innerhalb eines der bedeutendsten Baudenkmäler Hessens.

Bürgerversammlung

Das Justizministerium wird bei einer weiteren Bürgerversammlung am Montag, 12. Dezember, über die Planungen für den Gefängnisneubau informieren. Los geht es um 19. 30 Uhr in der Kulturhalle in Ziegenhain.

Justizministerium will mit Anwohnern sprechen

Wir sind absolut um Konsens bemüht und wollen mit den Anwohnern sprechen“, erklärte der Pressesprecher des Justizministeriums, Dr. Hans Liedel, auf Anfrage der HNA.

Laut Ministerium soll das neue dreigeschossige Gefängnisgebäude circa 90 Zentimeter in den Boden eingelassen werden, folglich wäre der sichtbare Teil der Mauer knapp fünfeinhalb Meter hoch. Von außen sichtbar wäre nur der Giebel des Gebäudes. Sichtkontakt der Sicherungsverwahrten zu Wallgraben-Bewohnern wäre somit nicht möglich.

Die übliche Sicherung der Mauerkrone mit Stacheldraht wird auf die Innenseite der Mauer verlagert. Die Fassade soll glatt gestaltet werden, so dass auf diese Weise ein Aufsteigen auf die Dachflächen nicht möglich ist. Verzichtet werden soll auch auf die üblichen Fenstergitter. Die sollen durch eine Panzerverglasung ersetzt werden. Die Mauer um den Neubau soll indirekt beleuchtet werden. Die Planer versprechen sich damit, dass Anwohner nicht geblendet werden und zur Nachtzeit ein ästhetischer Anblick entsteht.

Der Ernst-Reuter-Weg als Zufahrt zu den neuen Parkplätzen soll neugestaltet werden. Aus Sicht des Ministeriums gehören ansprechende Beleuchtung und Sitzbänke nach Vorbild der Möblierung am Paradeplatz dazu.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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