Manche Frühschwimmer suchen im Melsunger Freibad Stille – andere das Gespräch

Klub der Kaltduscher im Melsunger Freibad

Aus dem Bett ins Wasser: Elisabeth Rüttger und Margit Eberhardt (von links) starten im Freibad in den Tag. Foto: Schleichert

Melsungen. Morgens, wenn die ersten Badegäste das Drehkreuz passieren, liegt das Melsunger Waldschwimmbad am Meer. Zumindest, wenn man die Augen schließt. Das Wasser rauscht im Takt. Hier und da gluckst es, wenn das Becken die Frühschwimmer verschluckt. Und plötzlich schreit eine Frauenstimme.

Es ist die von Elisabeth Rüttger. Tagein, tagaus kommt die 85-Jährige zum Frühschwimmen und der Aufschrei, mal ein Ah oder ein Oh, ist Teil ihres Rituals: Rüttger springt aus dem Bett, fährt zum Freibad, lässt eine kalte Dusche über ihren müden Körper prasseln und steigt ins Wasser, ganz vorsichtig, mit dem großen Zeh zuerst. Dann stürzt sie sich mit einem Schrei in die Fluten. „Ich brauche das“, sagt sie.

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Um acht Uhr morgens kennt man sich im Waldschwimmbad. Alle sind Kaltduscher, die meisten Rentner, sie suchen die Ruhe und meiden die Zeit, in der in Bädern mehr geplantscht als geschwommen wird. „Ich will nur Schwimmen“, sagt die Melsungerin Regina Gabler, „den Trubel brauche ich nicht.“

Der Orthopäde hat ihr Rückenschwimmen empfohlen, doch mittlerweile ist der Besuch im Freibad viel mehr als das. „Es ist herrlich“, schwärmt die 77-Jährige. Sie komme verschlafen und gehe aufgeweckt. Sie fröstele erst und spüre dann, wie Wärme durch ihren Körper ströme.

Regina Gabler gleitet in einer Bahn am Beckenrand entlang. Sie sagt, sie wolle nur schwimmen, nicht mehr. Wenige Meter weiter schwimmen, Schulter an Schulter, Elisabeth Rüttger und Margit Eberhardt. Im Schwimmerbecken finden sie nicht nur Bewegung, sagen sie, sondern auch gute Gespräche. Die beiden Frauen erzählen sich, was es zum Mittagessen geben soll und lachen gemeinsam über Witze, „meistens Witze über Männer“, raunt einer der wenigen männlichen Schwimmer den Frauen zu.

„Frühschwimmen ist nicht nur gut für die Rückenmuskulatur“, sagt Rüttger, „es stärkt auch die Lachmuskeln.“ Selbst bei Regenwetter zieht die 85-Jährige ihre Bahnen, es sind nicht viele, doch sie bewirken viel: „Im Wasser fühlt sich alles leichter an. Aber das Gefühl bleibt, wenn ich nach dem Schwimmen aus dem Wasser steige.“

• Das Waldschwimmbad ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Bei schlechter Witterung möglicherweise eingeschränkte Öffnungszeiten.

Quelle: HNA

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