Wie der Landarztjob an Attraktivität gewinnen kann, zeigen drei Ärzte aus Zierenberg

Kluges Konzept schafft Freiraum

Glücklich auf dem Land: Dr. Christian Haase, Dr. Dirk Wetzel und Gisela Stahl haben in Zierenberg eine Gemeinschaftspraxis aufgemacht. Foto: Ricken

Zierenberg. Hohe Kosten, schlechte Bezahlung und wenig Freizeit: Welcher Arzt macht schon freiwillig den Knochenjob auf dem Land? Drei wagten es dennoch und zeigen mit einem klugen Konzept, wie der Beruf des Landarztes an Attraktivität gewinnen kann und sogar noch glücklich macht. Dr. Dirk Wetzel, Gisela Stahl und Dr. Christian Haase haben vor sechs Jahren eine Gemeinschaftspraxis in Zierenberg eröffnet. Trick Nummer eins: Die Kommune war mit im Boot und hat das Trio unterstützt. „Wir haben unter anderem ein städtisches Grundstück in der Innenstadt zum fairen Preis erhalten“, so Wetzel.

Normales Familienleben

Seit der Eröffnung der Gemeinschaftspraxis vertreten sich die Ärzte gegenseitig. Dies und die Notdienstregelung, nach der jeder Arzt nur noch fünf Dienste pro Jahr leistet, ermöglichen ein weitgehend normales Familienleben. „Nach der alten Regelung hatte jeder von uns 40 Dienste im Jahr“, so Gisela Stahl. Durch die zentrale Notdienststelle in Kassel sei es zwar für die Patienten umständlicher geworden, was die drei Hausärzte als Nachteil dieser Lösung bedauern, sie hätten jedoch dadurch mehr Zeit für ihre Kinder gewonnen. „Jetzt sehe ich meine drei Kinder nach Feierabend noch. Vorher habe ich dem schlafenden Jüngsten nur noch den Teddybär in den Arm gelegt“, erzählt Dirk Wetzel.

Eine einzige Rezeption, gemeinsames Personal und Geräte senken die Kosten. „Außerdem haben wir eine Kommunikationsplattform“, so Haase. In allen Fragen könne man sich austauschen. Dies sei vor allem bei schwierigen Krankheitsbildern von Vorteil, wenn man den Kollegen als zweiten Arzt hinzuziehen könne. Ein weiterer Vorteil ist das breite medizinische Spektrum der Ärzte aus Zierenberg. Dr. Haase ist Diabetologe und Facharzt für Innere Medizin. In einem Schulungsraum gibt es Seminare für Diabetiker. Palliativmedizin gehört ebenso dazu wie die Behandlung von Kindern.

„Die Arbeit als Landarzt ist dadurch sehr abwechslungsreich“, so Wetzel. Dennoch gibt es auch in Zierenberg Bereiche, die den Beruf trüben. „Das Budget ist für alle ein Ärgernis. Ebenso die massiv zunehmende Bürokratisierung und die ständige Bedrohung durch einen Arzneimittel-Regress.“ Landflucht ist für das Trio aus Zierenberg trotzdem kein Thema: „Wir fühlen uns hier wohl, und die Mentalität der Menschen liegt uns“, sagt Wetzel, und die anderen beiden nicken zustimmend.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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