Das Ordnungsamt hat Block und Stift ausgemistet, Strafzettel werden jetzt auf Smartphones geschrieben

Knöllchen kommen vom Handy

Schwalmstadt. Das Ordnungsamt wird schneller dank Mobiltelefon: Seit Mitte Dezember arbeiten zwei der drei Schwalmstädter Hilfspolizisten mit Smartphones, die mit einer besonderen Anwendung (App) ausgerüstet sind, anstatt mit Block und Stift durch Ziegenhain und Treysa zu gehen.

Hilfspolizist Andreas Krüger steht in der Wiederholdstraße in Ziegenhain vor einem in einer Bucht geparkten dunkelblauen Kombi. Es ist 10.30 Uhr, die Parkscheibe hinter dem Wagenfenster steht auf 7 Uhr, ein Strafzettel ist fällig. Mit einem Eingabestift tippt der 39-Jährige in sein Handy „Wäderhald“ ein. Das ist zwar nicht der korrekte Name, aber für das Handy ist es kein Problem, es erkennt die Straße an den Anfangsbuchstaben.

„Der Gedanke dahinter war, dem Fortschritt nicht im Weg zu stehen“, sagt Manuel Otto, städtischer Systemadministrator. Durch die Arbeit mit den Mobiltelefonen könne das Ordnungsamt schneller arbeiten. „Mittlerweile klappt es ganz gut. Es war Learning by Doing“, so Hilfspolizist Krüger.

Zwar benötigt er auch mit dem Handy zwischen 30 und 60 Sekunden für ein Knöllchen und sei damit nicht viel schneller als früher. „Aber dadurch wird uns die Arbeit auf jeden Fall erleichtert. Ein Nebeneffekt ist, dass unsere Kollegen uns bei dringenden Fällen erreichen, wenn wir unterwegs sind.“ Von den Smartphones werden die Daten direkt auf den Computer übertragen.

 „Anders als früher müssen wir die Angaben nicht mehr zweimal händisch eintragen.“ Tröstlich: „Mehr Knöllchen verteilen wir nicht, weil nicht mehr Verkehrsteilnehmer unterwegs sind.“ Die nicht ausgelegte Parkscheibe ist die häufigste Parksünde, die Krüger und Kollege Thomas Jesberg notieren.

Bei der App auf dem Handy ist das, was die Ordnungspolizisten angeben müssen, vorgegeben. Sie wurde speziell für die Arbeit in Ordnungsämtern entwickelt. 149 Euro hat die Anschaffung gekostet, sagt Otto, „als Kommune haben wir einen vergünstigten Preis bekommen“.

„Wenn ich ein Verkehrszeichen eingebe, wird mir aufgelistet, welche Delikte es dazu gibt“, erklärt Thomas Jesberg. Vom Smartphone aus werden die Daten auf den Rechner übertragen und zur Zentralen Bußgeldstelle (ZBS) in Kassel weitergeleitet. Die verschickt dann die Strafzettel.

Der Kaufpreis für das Samsung-Handy liegt bei rund 400 Euro. Die Nutzung der Anwendung kostet 30 Euro im Monat. Die Preise für Ordnungswidrigkeiten haben sich natürlich nicht geändert, aber das klassische Knöllchen gibt es nicht mehr. Stattdessen klemmt ein Hinweiszettel unterm Scheibenwischer, auf dem steht, dass demnächst eine schriftliche Verwarnung eintrifft. Nur das Datum tragen die Hilfspolizisten noch händisch ein.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © HNA/Nickoll

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