Knüllwald bangt um Arztpraxen - drei Mediziner vor Ruhestand

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Ungewisse Zukunft für die Arztpraxis Hennig in Oberbeisheim: Noch fünf Jahre will Dr. Wolfgang Hennig arbeiten, aber eine Nachfolge ist nicht in Sicht. Unser Foto zeigt Monika Böde und Veronika Hennig, die die Sprechstunden organisieren. 

Knüllwald. Knüllwald will vorbeugen, um den befürchteten Ärztemangel in der Gemeinde zu stoppen. Bürgermeister Jörg Müller schlägt einen dezentralen Zusammenschluss vor, um den Menschen die medizinische Versorgung zu gewährleisten.

„In Knüllwald gibt es drei Hausärzte. Alle sind kurz vor oder im Ruhestandsalter“, sagt Müller. Besonders akut ist das für die Remsfelder Praxis von Dr. Rolf-Dieter Bork, der dringend einen Nachfolger sucht. Der 69-jährige Remsfelder will im kommenden Jahr seine Tätigkeit aufgeben.

„Ich bemühe mich seit Jahren um eine Nachfolge. Vergeblich“, sagt Bork. Die Kassenärztliche Vereinigung helfe nicht genügend und mache auch keine wirklichen Vorschläge, beklagt der Mediziner. Ein Versorgungszentrum hält er für eine gute Lösung. Der Standort Remsfeld wäre zentral und barrierefrei.

„Das kam überraschend“

Bork: „Schade nur, dass ich nicht von der Gemeinde informiert wurde. Für mich kommt das jetzt sehr überraschend. Bis zum Sommer wird das wohl nicht klappen. Meine Praxis werde ich dann ausräumen und vielleicht in den Ostblock spenden.“

Mit einem Zusammenschluss könnte man viele Probleme beheben und bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte finden, damit eine Ansiedlung in der Gemeinde für sie attraktiv wird, meint Jörg Müller.

Neuerdings gebe es auch einen Zuschuss bis zu 50 000 Euro vom Land Hessen für eine Praxisübernahme.

Auch die beiden Praxen in Oberbeisheim und Rengshausen sind kurz- bis mittelfristig betroffen, sagte Müller.

Für ihn ist daher die medizinische Versorgung im Knüll gefährdet. Er will sich demnächst mit den Ärzten und deren Mitarbeitern treffen, die Kassenärztliche Vereinigung dazu holen sowie mit dem Landkreis und Politikern die Möglichkeiten abwägen. „Ein kommunales Versorgungszentrum ist vielleicht zu hoch angesetzt, aber die Beschäftigung von Ärzten bei der Gemeinde in dezentralen Praxen, die sich gegenseitig vertreten, denkbar“, sagte er.

Am Ende müsse sich das allerdings rechnen, sagte er. Die Menschen in Knüllwald müssten dann das Angebot auch annehmen. „Wir wollen uns gern darum kümmern, aber die Gemeinde soll dabei nichts drauflegen“, sagte er. Im Moment sei die Versorgung mit Hausärzten in der Region noch gut. Das soll auch weiter so bleiben, wünscht sich der Bürgermeister.

Dr. Wolfgang Hennig

Für die gesundheitliche Vorsorge in Knüllwald sieht Dr. Wolfgang Hennig (61) aus Oberbeisheim schwarz. „Das wird richtig schlimm für die Menschen“, sagt der Mediziner. Vor 40 Jahren habe es eine Landarztzulage von der Politik gegeben. Mit Geld aus einem Fonds könne man auch heute noch Nachfolger für die Praxen finden. Aber das sei politisch nicht gewollt, mutmaßt der Oberbeisheimer Hausarzt. „Ich habe den Eindruck, man lässt uns bewusst hängen“, sagte er. Er will etwa noch fünf Jahre arbeiten und sieht für die Oberbeisheimer Praxis keine Zukunft.

Klaus Wirth

„Wir wären froh, wenn sich ein Nachfolger finden würde, und wir könnten unsere Praxen verkaufen, aber das ist sehr schwierig“, sagte Klaus Wirth (62) aus Rengshausen. Der Hausarzt will noch drei bis fünf Jahre arbeiten. Er hält es für sehr unwahrscheinlich, dass er seine Praxis an einen Hausarzt verkaufen kann. Es gibt keinen Interessenten, obwohl es genügend Ärzte gibt.

„Die Medizin ist weiblich“, sagte Wirth. 70 Prozent der Ärzte sind Frauen. Und die Frauen wünschen sich wegen der Familienplanung andere Arbeitszeiten, wollen angestellt sein und ihre Zeit einteilen können. „Da müssen wir flexibel werden, die medizinische Versorgung wird sich verändern müssen“, sagte Wirth.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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