Seniorin erlitt Schlaganfall - Retter des DRK-Notrufs kamen nicht ins Haus

Knüllwald. „Lange gut leben“ – mit diesem Spruch wirbt das Deutsche Rote Kreuz für seinen Hausnotrufdienst. Darauf verlassen hat sich auch Ingeborg Hellwig aus Knüllwald. Die 88-Jährige hat mit dem DRK einen Servicevertrag abgeschlossen, um im Notfall so schnell wie möglich, so gut wie möglich versorgt zu werden.

Denn auch das schreibt das DRK auf seiner Internetseite über den Hausnotruf: „Ob nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, einem Unfall im Haushalt oder beim Heimwerken – fast immer gilt der Grundsatz: Die ersten Minuten entscheiden.“ Allerdings musste die 88-Jährige auf diese Hilfe länger warten als sie gehofft hatte.

Anfang April erlitt sie einen Schlaganfall und lag hilflos in ihrer Wohnung. Den Hausnotruf hatte sie mit einem Knopfdruck noch betätigen können, und die Mitarbeiter des DRK machten sich auch schnell auf den Weg zu ihr, doch nahmen sie den eigens für Notfälle beim DRK hinterlegten Schlüssel nicht mit zu dem Einsatzort – weil sie ihn nicht fanden.

Die Folge: Sie kamen nicht in das Haus. Feuerwehr und Polizei wurden alarmiert. „Erst nachdem wertvolle Zeit verstrichen war, konnten sie zu unserer Mutter gelangen“, sagt Barbara von Gimborn.

Den Hausnotrufservice hatte Ingeborg Hellwig auf Anraten ihrer Töchter und ihres Sohnes mit dem DRK vereinbart. Fassungslos über den Ablauf sind Barbara von Gimborn, Thorsten Hellwig und Anett Horn, die Kinder von Ingeborg Hellwig. „Zum Glück geht es unserer Mutter recht gut, aber so etwas darf nicht passieren“, sagt Barbara von Gimborn. „Wir glaubten, dass unsere Mutter durch den Hausnotrufdienst im Notfall abgesichert ist und haben uns darauf verlassen“, fügt sie an und schüttelt den Kopf. „Für uns war alles in Ordnung – und dann so etwas.“

Klingeln und Klopfen

Ihre Mutter habe auf dem Sofa gelegen und nach dem Schlaganfall nicht mehr auf das Klingeln und Klopfen der Rettungskräfte reagieren können. „Sie hat aber alles mitbekommen und sich noch mehr aufgeregt“, sagt die Tochter. Die Alarmierung und dann auch die Versorgung ihrer Mutter seien gut gelaufen, doch sei eben Zeit verloren vergangen, weil der Schlüssel nicht mitgebracht wurde.

Gestaunt hat die Familie über eine Meldung der Feuerwehr im Knüllwald-Boten, wonach der Hausnotrufdienst nicht in das Gebäude gekommen sei, weil das Schloss nicht zu betätigen war. „Das stimmt nicht“, sagt Barbara von Gimborn. Jörg Müller, Chef der Knüllwalder Feuerwehren, sagt, dass die Tür nicht zu öffnen war, weil der richtige Schlüssel nicht da gewesen sei. „Die Mitarbeiter des DRK haben aber gut gehandelt und gleich die Feuerwehr alarmiert, so konnte doch noch flott geholfen werden.“

Und Müller sagt auch, dass Fehler nicht passieren sollten, aber eben passieren können. „Egal, ob sie den Notruf-Knopf im Bett, in der Küche oder unter der Dusche drücken – sie haben sofort Kontakt mit uns. Und wir können sofort reagieren. Das gibt ihnen Sicherheit. Für einen unbeschwerten Alltag“, wirbt das DRK für den Hausnotruf. Doch dieses Vertrauen in den Service für den Notfall fehlt der Familie von Ingeborg Hellwig nun.

Das sagt Manfred Lau vom DRK

„Ich kann mich bei den Betroffenen nur entschuldigen“, sagt Manfred Lau, Geschäftsführer des DRK im Schwalm-Eder-Kreis, und erkundigt sich gleich nach dem Gesundheitszustand von Ingeborg Hellwig. Gleich nachdem Frau Hellwig den Hausnotruf alarmiert hatte, habe man versucht, die Angehörigen zu erreichen und sofort den Rettungsdienst alarmiert. „Es hieß, dass eine Frau sich verdreht hat und auf dem Sofa liegt.“

Allerdings hätten die Rettungskräfte den Schlüssel für die Haustür der Seniorin nicht mitgenommen. „Er hing im Schlüsselkasten, war aber von einem anderen Schlüssel verdeckt und wurde nicht gefunden“, sagt Lau. „Das war menschliches Versagen und sollte nicht passieren“, sagt er und stellt sich vor die Helfer: „Sie wollten keine Zeit durch eine längere Schlüsselsuche verlieren, sind gleich losgefahren und haben während der Fahrt Polizei und Feuerwehr zum Einsatzort gerufen. Dadurch konnte man relativ schnell in das Haus gelangen.“

Ob wertvolle Zeit verloren gegangen sei, könne er jedoch nicht sagen, da er den Gesundheitszustand von Ingeborg Hellwig nicht kenne. Dennoch: Den Ärger und die Sorge von Familie Hellwig könne er nachvollziehen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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