Interview mit dem dienstältesten Rathauschef

Knüllwalds Bürgermeister Jörg Müller hört auf: „Ich bin mit mir im Reinen“

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Hier fing alles an: Jörg Müller begann sein Amt als Bürgermeister der Gemeinde Knüllwald 1989 im ehemaligen Gemeindehaus in Remsfeld (hellblaues Haus im Hintergrund).

Knüllwald. Nach 28 Jahren räumt Bürgermeister Jörg Müller seinen Schreibtisch in der Gemeinde Knüllwald. Aus gesundheitlichen Gründen verlässt er vor seinem offiziellen Amtsende das Rathaus.

Wir sprachen mit ihm über seinen Job, schöne Momente und die Zeit nach der Arbeit. 

Herr Müller, Sie haben sich stets als leidgeprüfter Bürgermeister einer kleinen, armen Landgemeinde bezeichnet. War es wirklich so schlimm?

Jörg Müller: Nein, aber klein und arm wird sie immer bleiben. Das ist leider die Struktur Knüllwalds. Die Gemeinde wird im Laufe der Zeit aber auf die Beine kommen, dafür haben wir hier mit vielen Projekten den Weg bereitet. Es war lediglich immer schlimm, dass wir einige Jahre keinen ausgeglichenen Haushalt erreichen konnten. Der ewige Kampf der Kommunen um einen gerechten Finanz- und Interessenausgleich – die ländliche Region hat diese Aufholjagd noch nicht geschafft.

28 Jahre im Amt, das macht Sie zum dienstältesten Bürgermeister im Landkreis.

Müller: Ich habe als 30-Jähriger meinen Beruf in der Verwaltung mit meinem Hobby Kommunalpolitik vereint. Bei meiner Amtseinführung wusste ich schon: ‘Das will ich bis zur Rente machen’. Nun gehe ich zwei Jahre früher vor Ablauf der Amtszeit. Ich höre endlich auf den Rat meiner Ärzte und trete etwas kürzer.

Wie viel Müller steckt in der Gemeinde Knüllwald?

Müller: Die Frage sollte eher lauten: Wie viel Knüllwald steckt in Müller? Meine Arbeit war mein Leben. Ich wollte, dass es der Gemeinde und den hier lebenden Menschen gut geht, dass beispielsweise die Infrastruktur funktioniert. Ich habe viele Dokumente unterschrieben, aber viel wichtiger war es mir, die Entwicklung Knüllwalds persönlich zu begleiten und voranzutreiben.

Wie viel kann man als Bürgermeister tatsächlich für seine Gemeinde erreichen?

Müller: Viel! Wenn man ein offenes Ohr für die Bürger hat, nicht zu allem Ja und Amen sagt und Ziele hat. Der Bürgermeister ist derjenige, der Ideen und Projekte anschiebt. Er braucht aber andere, die ihn dabei unterstützen, seine Ziele zu erreichen.

Apropos Unterstützung: In den Gemeindesitzungen ging es nicht nur friedlich zu.

Müller: Ja, es wurde mal ordentlich diskutiert, manchmal gestritten. Ich bin keiner, der sich alles gefallen lässt. Aber die überwiegend einstimmigen Beschlüsse des Gemeindevorstands zeigen, dass wir immer gut zusammengearbeitet haben. Denn wir alle wollen das Beste für Knüllwald.

Was war der schönste Moment ihrer Amtszeit? Und welcher war es nicht?

Müller: Die ersten sechs Jahre habe ich nachts Papiere durchgeschaut. Ich wollte was erreichen, deswegen war jeder Erfolg, ob groß oder klein, ein schöner Moment. Ein Höhepunkt ist aktuell der zukünftige Seniorenpark an der Stuhlfabrik. Sicher, ich habe nicht alles gut gemacht. Aber ich bin mit mir im Reinen. Im Großen und Ganzen halte ich den Weg, den ich beschritten habe, für zukunftsweisend für die Gemeinde.

Und wie geht es jetzt weiter?

Müller: Ich habe nun mehr Zeit für meine Familie. Etwa 100 Bücher warten zuhause darauf, gelesen zu werden. Außerdem habe ich noch nie meinen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach live im Stadion spielen sehen. Jetzt kann ich mir diesen Traum erfüllen.

Quelle: HNA

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