"Der Anfang war hart"

Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth ist seit 100 Tagen im Amt

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Seit 100 Tagen im Amt: Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth (54, UKW) hatte Ende September die Wahl mit 50,8 Prozent gewonnen. Sein Amtsantritt war zwei Mal verschoben worden – erst am 1. Januar zog er ins Rathaus in Remsfeld ein.

Knüllwald. Genau 100 Tage ist es her, dass Knüllwalds Bürgermeister Jürgen Roth (UKW) sein Amt angetreten hat. Im Interview spricht er über Risiken, Ränkespiele, fehlende Reue und einen ruckeligen Start.

Das war ein sehr holpriger Start, den Sie da hatten. Das hatten Sie sich bestimmt anders vorgestellt, oder?

Jürgen Roth: Das stimmt, der Anfang war schwer. Es gab keine richtige Amtsübergabe, da mein Vorgänger schon im Ruhestand war. Auch die Parlamentssitzung zur Amtseinführung war alles anders als harmonisch. Aber es war ja mit dem Einspruch meines Mitbewerbers klar, dass der Anfang alles andere als einfach werden würde.

Aber jetzt sind Sie in der Spur?

Roth:Sagen wir so: Ich bin noch nicht in allen Dingen auf dem aktuellen Stand, habe mir aber nach 100 Tagen auch vieles schon erarbeitet.

Aber Sie haben ja Unterstützung vom Team im Rathaus – auch wennSie davon garantiert nicht jeder gewählt hat.

Roth: Ich habe die Mitarbeiter zusammengerufen und gesagt, was mir wichtig ist: Dass wir alle ein Ziel haben, wir alle fürs Wohl der Gemeinde arbeiten. Natürlich hat mich nicht jeder gewählt, aber dass viele dem Gegenkandidaten die Stimme gaben, gehört eben zur Demokratie dazu.

Eine breite Mehrheit wäre aber schon schön bequem...

Roth: Ja sicher. Ich muss um Mehrheiten in der Gemeindevertretung werben. Meine Vorstellung ist es, mit allen zu reden, so transparent wie möglich zu arbeiten – ich habe keine Berührungsängste.

Dafür gibt es wohl auch tatsächlich zu viel zu tun. Was ist das drängendste Projekt?

Roth: Der Haushalt. Den müssen wir dringend aufstellen. Das lähmt uns: Die vorläufige Haushaltsführung kostet uns jegliche Handlungsfreiheit. Wir können nicht einmal das Feuerwehrauto für die Remsfelder Wehr kaufen, das schon lange bei der Landesfeuerwehrschule Kassel steht. In der Parlamentssitzung am 25. April aber wollen wir den Haushalt endlich einbringen.

Und was ist das Projekt, auf das die Knüllwälder am meisten warten?

Roth: Die Seniorenwohnanlage im Brundershäuser Weg. Die Gemeinde Knüllwald hat über die Hessische Landgesellschaft die Fläche gekauft und hergerichtet, jetzt muss der Investor Gas geben.

Über dieses Projekt haben wir schon oft geschrieben...

Roth: Ja, die Planungen laufen schon ewig. In diesem Jahr aber soll die Zeichnung fertig und der Bauantrag eingereicht werden. Es gibt tatsächlich schon Wartelisten von Interessenten.

Diese Wartelisten wünschen Sie sich wahrscheinlich für die Feuerwehren. Die Orte Hausen und Reddingshausen haben keine mehr, Völkershain steht auf der Kippe.

Roth: Das tut mir auch richtig weh. Völkershain hatte früher einmal eine Bilderbuchwehr – und ausgerechnet die droht nun wegzubrechen. Von den 130 Einwohnern sind nur noch vier aktiv in der Wehr: Das Freizeitverhalten hat sich massiv verändert, es will kaum noch jemand Verantwortung übernehmen.

Was kann die Gemeinde tun?

Roth:Sie kann Material stellen. Und Überzeugungsarbeit leisten. Aber Feuerwehrarbeit braucht auch Herzblut: Brandschützer sollten den Job nicht halbherzig machen, sondern zusammen stehen und für die Sache arbeiten.

Das gilt für die Gemeindevertretung eigentlich auch. Haben Sie es denn schon bereut, dass Sie Ihren Job bei der Kreisverwaltung aufgegeben haben?

Roth: Nein. Ich vermisse manches Mal die Kollegen dort – aber bereut? Nein. Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Und ich bin zuversichtlich, mit Transparenz und offenem Umgang die kommunalpolitischen Grabenkämpfe zu beenden.

Woher nehmen Sie denn diesen optimistischen Biss?

Roth: Aus meiner Überzeugung, das Richtige für die Gemeinde zu tun. Wir haben keine Zeit mehr für all diese Ränkespiele.

Wo soll Knüllwald in fünf Jahren stehen?

Roth: Auf einem soliden finanziellen Boden. Der noch dazu ein stabiles Feuerwehrwesen und ein schönes Seniorenwohnzentrum bietet.

Quelle: HNA

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