Wahl in Melsungen am 28. Oktober

Kochen gehört zu seinen Leidenschaften: Markus Boucsein will Bürgermeister von Melsungen bleiben

Im Innenhof seiner beiden Fachwerkhäuser: Markus Boucsein will Bürgermeister in Melsungen bleiben und stellt sich erneut zur Wahl. Die Bürgermeisterwahl findet parallel zur Landtagswahl am 28. Oktober statt. Foto: Claudia Feser

Melsungen. Markus Boucsein ist nicht nur Fan des Melsunger Handballs, sondern auch des Melsunger Fachwerks. Jahrelang hatte er mit seiner Frau Petra nach einem Zuhause im Fachwerk gesucht.

Vor 15 Jahren haben sie dann das zweihundert Jahre alte Häuschen im Hinteren Eisfeld gemietet, und vor einigen Jahren kauften sie es. Glücklich ist der Melsunger Bürgermeister, dass vor zwei Jahren auch der Kauf des Nachbarhauses geklappt hat. Denn jetzt haben die Boucseins einen eigenen Hinterhof zwischen lauter Fachwerk.

Dort wachsen Rosmarin, Chrysanthemen und Geranien in Töpfen und leeren Rotwein-Holzkisten. Dort stehen eine großzügige Sitzgruppe und der Profi-Grill von Markus Boucsein. Er liebt nämlich nicht nur das Kochen, sondern auch das Grillen. Ja, er hat auch einen Beefer-Grill, mit dem die Steaks besonders knusprig werden.

Das Nachbar-Fachwerkhaus haben die Boucseins größtenteils selbst renoviert. „Es hat zwar ein Jahr lang gedauert“, sagt der 54-Jährige, der am liebsten tapeziert und Fußböden verlegt, „aber es hat total Spaß gemacht.“ Die untere Etage nutzt das Ehepaar als zusätzlichen Wohnraum, der Rest des Hauses ist vermietet. Das Handwerkern hat Boucsein als Kind gelernt, als er dem Vater beim Dachausbau des Elternhauses am Schloth geholfen hat.

Boucsein ist ein bodenständiger Typ, der in der Region verwurzelt ist: Die Eltern stammten aus Borken, dort lebt noch ein Teil der Familie, seit seinem ersten Lebensjahr wohnt Boucsein in Melsungen. Daran hat sich außer seiner Studienzeit in Göttingen und einer kurzen Zeit als Tageszeitungsjournalist in Westfalen nichts geändert. An die neue Rolle des Bürgermeisters musste er sich vor sechs Jahren erst gewöhnen. „Das war eigenartig“, sagt er, „weil man plötzlich anders im Fokus steht. Und als Melsunger Bürgermeister hat man eine andere Rolle als die der Führungskraft eines Melsunger Unternehmens.“

Vor dem Amtsantritt hatte er eine Führungsposition beim Bibliomed-Verlag inne, einer B. Braun-Tochter. Seine Frau arbeitet ebenfalls in verantwortungsvoller Position bei B. Braun. Beide haben kein Problem damit, mitten in der Altstadt zu wohnen, sagt Boucsein. Auch wenn es bedeutet, als Bürgermeister quasi auf dem Präsentierteller zu sitzen. „Dadurch bin ich aber auch viel näher dran, als wenn ich in einem Wohngebiet leben würde.“

Die Menschen sind auch an ihm näher dran, wenn er Lauch und Kohl in den Hochbeeten im kleinen Garten gegenüber gießt und wenn er die Hecke schneidet.

Und doch haben die mitten in der Altstadt in ihrem Haus mit den wenigen Innenwänden, den vielen Stufen und den drei Türen einen Rückzugsort, bei dem sie doch mittendrin sind – weil sie das Melsunger Fachwerk lieben.

Vier Fragen an Markus Boucsein

Viele Themen beschäftigen die Melsunger Einwohner. Dazu gehören der Krankenhausneubau, das Sandcenter II, die Fahrradwege, die Stadthallensanierung, fehlende Baugebiete und vieles mehr. Wir stellen den Kandidaten die vier selben Fragen.

Sperrung Radweg Roter Rain: Bei vielen Menschen ist die Sperrung noch Thema. Wie könnte der Rote Rain Ihrer Meinung nach wieder für die Radfahrer geöffnet werden?

Markus Boucsein: Gerne möchte ich eine Lösung, um den Fuß- und Radverkehr wieder herzustellen. Eine sichere Radverbindung über die Obermelsunger Brücke ist, wie wir jetzt wissen, aus Kostengründen nicht möglich, sodass durch kleinere bauliche Anpassungen am Roten Rain eine Nutzung auch für Radfahrer ab dem nächsten Jahr wieder möglich sein sollte.

Die Straßenbeiträge werden viel diskutiert - manche Kommunen im Landkreis sind für die Abschaffung, andere beispielsweise für wiederkehrende Gebühren. Was ist Ihre Position zu den Straßenbeiträgen? 

Markus Boucsein: Eine Abschaffung der Straßenbeiträge kommt aktuell nicht in Frage, da derzeit noch offene Bescheide in Höhe von acht Millionen Euro vorliegen. Diese Kosten müsste die Stadt selbst tragen und würde unsere Haushaltsplanung völlig auf den Kopf stellen. Deshalb hat das Parlament beschlossen, ab 2021 die wiederkehrenden Straßenbeiträge zu prüfen, was aus meiner Sicht der fairste und verträglichste Weg für unsere Einwohner wäre.

In Melsungen, Schwarzenberg und Röhrenfurth entstehen kleine Baugebieten. In manchen Fraktionen und Orten besteht der Wunsch nach mehr: Was ist aus Ihrer Sicht sinnvoll? 

Markus Boucsein: Wir müssen behutsam mit unseren Melsunger Flächen, aber auch mit unserem Wohnbestand umgehen, deshalb ist die Ausweisung kleiner Areale der richtige Weg. Jedoch muss Bauwilligen eine Perspektive gegeben werden, sodass die Stadt in den kommenden Jahren nach und nach kleine Baugebiete ausweisen sollte. 

Was kann die Stadt unternehmen, um weitere Gastronomie in Melsungen anzusiedeln bzw. für Gastronomen attraktiv zu sein? 

Markus Boucsein: Gerade in den vergangenen zwei bis drei Jahren berichtet die Gastronomie über gute Besucherzahlen, was sicherlich mit den vielen Events in der Stadt, aber auch dem steigenden Tagestourismus zusammenhängt. Derzeit bin ich in Gesprächen mit zwei auswärtigen Gastronomen, die beide ein Restaurant in Melsungen eröffnen wollen. Der Melsunger Wochenmarkt als auch die vielen Angebote führen vor allem zu Besuchen von Auswärtigen, was unerlässlich für eine gut funktionierende Gastronomie ist. 

Zur Person

Markus Boucsein, 54, ist mit einem Bruder und einer Schwester in Melsungen aufgewachsen. Sein Elternhaus steht am Schloth. Er ist mit seiner Frau Petra verheiratet, das kinderlose Paar hatte bereits Silberhochzeit und lebt in der Altstadt. Nach dem Abitur in Melsungen und dem Studium der Sportwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Publizistik und Politik in Göttingen arbeitete Boucsein als Tageszeitungsjournalist beim Westfalenblatt in Bielefeld/Bad Oeynhausen, bevor er 1990 beim Bibliomed-Verlag, einer Tochter der B. Braun Melsungen AG, eine Zeitschrift für die ambulante Pflege übernommen hat. Seit 1993 war er dort als Chefredakteur der Zeitschrift „Die Schwester Der Pfleger“ tätig und teilte sich mit einem Kollegen die Geschäftsführung. Seit 2013 ist er Bürgermeister der Stadt Melsungen. Boucsein entspannt sich beim Fliegenfischen, Kochen und auf Touren mit dem Zwei-Mann-Wohnmobil. Außerdem ist er Handball-Fan und war ehrenamtlich bei der MT aktiv. 

Quelle: HNA

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