Königlicher Nachwuchs: Einstiegskurs für Imker

Machen die Bienenstöcke fit für den Sommer: von links Imkerberaterin Heidrun Wulf, ihre Enkelin Lena Fette und Imkerberater Stefan Klug. Sie kontrollieren auch, ob Weiselzellen (oben im Bild) vorhanden sind, in denen neue Königinnen wachsen. Fotos:  Pflug

Melsungen. Der Imkerverein Melsungen bietet einen neuen Lehrgang für Nachwuchsimker an. Der Kurs beginnt am 9. Mai.

In England wurde viele Wochen sehnsüchtig auf die Geburt einer Prinzessin gewartet. Aber auch in einem Melsunger Garten wird königlicher Nachwuchs erwartet. Denn die beiden Imkerberater Heidrun Wulf und Stefan Klug möchten mit bienenbegeisterten Menschen Jungvölker züchten.

„Ein Volk kaufen, in den Garten stellen und dann auf das Beste hoffen, das wird nichts“, erklärt Wulf. Mit Hilfe der erfahrenen Imker sollen die Nachwuchsimker unter anderem erkennen lernen, wie Weiselzellen  aussehen, was Varroamilben sind und wie man das Schwärmen, und damit den Verlust des Volkes, verhindert. „Bienen sind besondere Haustiere“, sagt Klug. Vieles könne man nicht aus Büchern lernen, sondern nur durch genaue Beobachtung, Zeit und den Austausch mit anderen Imkern. Dabei ist die Imkerei nicht aufwändig, etwa eine halbe Stunde pro Volk pro Woche braucht ein erfahrener Hobbyimker für die Pflege. „Wenn Honig geschleudert wird, dann dauert es auch mal länger“, sagt Klug. In der Hauptsaison von April bis Juli solle der Imker besser keinen langen Urlaub planen.

Ganz uneigennützig ist die Aktion nicht. Mit dem Lehrgang wollen die Imkerberater junge Mitglieder gewinnen und dabei helfen, neue Völker zu züchten. Der Melsunger Imkerverein habe aber momentan keine Nachwuchssorgen, sagt Klug. Denn Bienen hätten eine gute Lobby, und Imkern liege im Trend. Mehr Menschen wählten die Imkerei als Hobby, erklärt Klug. Allerdings sei auch die Anzahl der Völker nach unten gegangen, „die meisten Hobbyimker halten maximal acht Völker“.

Dass die Bienen eine Lobby haben, ist wichtig, denn sie sind Hauptbestäuber. Ohne die Bienen würde die Ernte einbrechen, sagt Wulf. Und ohne Imker würden die Honigbienen in der Wildnis nicht mehr überleben. Zu sehr setzen ihnen Schädlinge wie die Varroamilbe zu, und es gibt kaum noch natürliche Unterschlüpfe. Beide Imker finden es daher gut, dass mehr Menschen in der Stadt sich für die Imkerei interessieren. „Da blüht ja immer etwas“, sagt Klug. Das sei auf dem Land nicht unbedingt der Fall. Momentan blühe der Raps, danach jedoch nicht mehr viel. Denn noch immer dominierten Monokulturen die Landwirtschaft.

Bienen zu züchten ist aber nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern macht auch Spaß. „Ich gehe als Imker mit offeneren Augen durch die Natur“, erklärt Wulf. Außerdem fasziniert sie, wie geregelt die Arbeitsabläufe sind: „50.000 Bienen und jede weiß genau, welche was macht“. „Und der Honig ist auch nichts Schlechtes“, ergänzt Klug. Bis zu 40 Liter pro Jahr produziert ein Volk. Darauf können sich die Nachwuchsimker freuen, wenn sie sich entscheiden, nach dem ersten Treffen mit den Imkerberatern weiterzumachen und ihr Jungvolk aufzuziehen.

Hintergrund: Ein Jungvolk wächst aus einem Ableger. Der Ableger besteht aus Bienen, einer Brutwabe und einer Weiselzelle. In der Weiselzelle wächst die Königin des neuen Volkes heran. Danach wird der Ableger außerhalb des Flugradius des Altvolkes aufgestellt. Stehen die Bienenstöcke zu nahe beieinander, fliegen die Bienen heim oder ihnen wird das Futter geklaut. Die Bienen fliegen sich neu ein, und ein paar Tage später schlüpft die junge Königin. Sie fliegt aus und wird von einer Drohne begattet. Wenn sie zum Bienenstock zurückkehrt und mit der Eiablage beginnt, spricht man von einem Jungvolk. Ein Jungvolk erzeugt im ersten Jahr noch keinen Honig. Es muss erst noch wachsen und sich auf den Winter vorbereiten.

Termin: Samstag, 9. Mai, ab 17 Uhr in Melsungen. Voranmeldung bei Heidrun Wulf, 0 56 61 / 32 37. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Stammtisch des Imkerverein: Immer am letzten Freitag im Monat, ab 19.30 Uhr im Schwimmbadcafé Melsungen.

Quelle: HNA

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