Körler Jugendpflege macht zu - Der Förderverein besteht aber weiter

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Sie werden das Angebot der Jugendpflege vermissen: von links Johannes und Lukas Schwarzbach beim Kartenspielen vor dem Körler Jugendclub. Foto: Féaux de Lacroix

Körle. Sie kochen gemeinsam, spielen Karten und Computerspiele: die Brüder Lukas (18) und Johannes (15) Schwarzbach kommen regelmäßig in den Körler Jugendclub. Doch Ende Juni ist Schluss: Dann schließt der Treff seine Türen. Die Gemeinde stellt das Angebot ein - weil die Kosten zu hoch sind und die Nachfrage zu gering ist.

„Wir sind die kleinste Gemeinde in der Region, die sich überhaupt noch Jugendarbeit leistet“, sagt Bürgermeister Mario Gerhold. 20 000 Euro habe man jedes Jahr für die Jugendpflege aufwenden müssen. Gleichzeitig nutzten aber nur wenige Kinder und Jugendliche das Angebot. Im Herbst beispielsweise hatte die Jugendpflege 220 Kinder angeschrieben und zu Aktionen eingeladen - doch nur elf Kinder nahmen letztlich teil.

Ende Juni ist Schluss

Für die mangelnde Nachfrage gebe es viele Gründe, erklärt Michael Urban, der seit 1999 für die Jugendarbeit verantwortlich ist. „Die weiterführenden Schulen in der Region bieten nachmittags selbst Aktivitäten an. Das ist eine Konkurrenz, mit der wir nicht mithalten können“, sagt Urban. Auch in Vereinen seien viele Jugendliche aktiv, ergänzt Bürgermeister Gerhold.

Die wenigen Nutzer werden den Jugendtreff jedoch vermissen. „Ich find’s blöd, dass der Jugendclub zumacht“, sagt Lukas Schwarzbach. „Da sind wir uns einig,“ ergänzt sein Bruder Johannes. „Ich bin jeden Freitag dort“, erzählt Lukas, „man trifft andere Leute, die man sonst nicht sieht.“ Bevor der Jugendtreff Ende Juni zumacht, sind noch einige Aktionen für Kinder und Jugendliche geplant: unter anderem Reiten in Konnefeld, Klettern im Kletterpark Braach und eventuell ein Ausflug in ein Erlebnisbad. Außerdem sollen im August die Kinderferienspiele stattfinden, sie werden von Michael Urban und seiner früheren Kollegin Dorothea Dittmar geleitet. Wie es danach für Urban weitergeht, ist unklar: Bürgermeister Gerhold sagte, es sei noch keine Entscheidung getroffen.

Die Körler Jugendpflege stand 2011 schon einmal auf der Kippe: Damals stieg die Evangelische Kirchengemeinde aus der Finanzierung aus, sie hatte die Jugendarbeit zuvor mit 9000 Euro pro Jahr unterstützt. Damals gründeten einige Körler einen Förderverein, der Spenden für die Jugendarbeit sammeln sollte. Dieser Förderverein, der etwa zehn Mitglieder hat, bleibt bestehen, sagt der Vorsitzende Stefan Brieger. „Es ist nicht so, dass wir langfristig keine Angebote für Jugendliche in Körle haben wollen“, stellt er klar. „Nach Möglichkeit werden wir in ein bis zwei Jahren einen neuen Anlauf starten.“ Es bestehe ja die Hoffnung, dass sich bis dahin die finanzielle Situation verbessere. Aber auch die Nachfrage bei den Jugendlichen müsste steigen, damit sich das Angebot lohnt. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass wir eine Umfrage unter den Jugendlichen in Körle machen, welche Angebote sie sich wünschen würden“, sagt Brieger.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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