Interview: Körler Ortsteil ist Studienobjekt

Fachwerk im Ortskern: Im Dorf restaurierte Fachwerkhäuser, am Berg das Neubaugebiet – das ist Wagenfurth. Der Körler Ortsteil war Teil einer sozialwissenschaftlichen Studie. Foto: Feser

Wagenfurth. Mit der Zukunft der nordhessischen Dörfer hat sich Soziologin Stefanie Koch beschäftigt. Für ihre Studie hat sie drei Dörfer unter die Lupe genommen.

Wagenfurth (200 Einwohner), Bringhausen (Kreis Waldeck-Frankenberg, 230 Einwohner) und Melperts (Landkreis Fulda, 150 Einwohner). Über der Ergebnisse der Studie sprachen wir mit der Soziologin, die selbst in einem kleinen Dorf lebt.

Was war der Anlass für diese Studie?

Stefanie Koch: Ich komme aus einem kleinen Dorf und lebe gerne dort. Aber ich stelle fest, dass viele Ältere das Gefühl haben, abgehängt zu sein. Ob das wirklich so ist, hat mein Forscherinteresse geweckt. Abgelegenheit ist kein Grund zum Verzweifeln. Dörfer haben eine Zukunft, man muss sie aber auch gestalten.

Wagenfurth ist eins von drei Dörfern Ihrer Untersuchung. Warum haben Sie Wagenfurth für die Studie ausgewählt?

Koch: Wagenfurth hat Speckgürtelcharakter, weil es nah an Kassel und Melsungen liegt. Und es gibt ein Neubaugebiet. Wegen der Lage wollen die Leute aufs Land ziehen. Die Frage ist für mich als Wissenschaftlerin: Was wird nach 30, 40 Jahren aus dem Neubaugebiet? Bleiben die Kinder dort? Für Wagenfurth hat meine Studie ergeben, dass sich leider nicht alle mit dem Dorf identifizieren. Nach Wagenfurth ziehen die Leute wegen der Bauplatzsituation. In Melperts ist das anders: Da sind Menschen ins Dorf zurückgekehrt wegen der tollen Gemeinschaft.

Und was bedeutet das für Wagenfurth?

Koch: Es kann künftig sein, dass dadurch die Fluktuation im Dorf größer sein wird, weil immer wieder Leute aus Kassel nachkommen.

Wie sind Sie bei ihrer Studie vorgegangen?

Koch: Ich habe von morgens bis abends an allen Haustüren geklingelt und Interviews geführt. Manche dauerten fünf Minuten, andere zwei Stunden. Die Antworten habe ich kategorisiert.

Und was ist das Ergebnis Ihrer Studie?

Koch: Ob sich ein Dorf positiv entwickelt, liegt im Dorf selbst. Es ist wichtig, dass die einheimischen Jugendlichen für ihr Dorf begeistert werden, so dass sie wieder zurückkommen. Gibt es ein gutes Vereinsleben und können sich die Bewohner aufeinander verlassen und können sie sich mit ihrem Dorf identifizieren – dann kommen die Jugendlichen wieder zurück.

Was hat Sie bei der Studie überrascht?

Koch: Die Tatsache, dass es ein Dorf schafft, seine Jugendlichen zurückzuholen, obwohl es 45 Kilometer von einer größeren Stadt entfernt liegt – das war echt überraschend für mich. Ich habe in Melperts zum Beispiel mit einer Frau gesprochen, einer Krankenschwester, die täglich mehr als eine Stunde zur Arbeit fährt, um in dem Dorf mit der tollen Gemeinschaft zu wohnen. Das bedeutet also: Je weiter weg ein Dorf liegt, um so wichtiger ist es, dass sich die Bewohner mit ihrem Dorf identifizieren.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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