Kommentar zum Baupreis in Zierenberg: "Kurzsichtig und unsozial"

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Oberelsungen. Das Stadtparlament Zierenberg hat in seiner jüngsten Sitzung einen Quadratmeterpreis von 95 Euro für das Baugebiet Vor der Warthe beschlossen. Ein Kommentar von Bea Ricken.

Artikel korrigiert am 5.2.2015 um 19.25 Uhr

Die Entscheidung in der Zierenberger Stadtverordntenversammlung fiel knapp und parteiübergreifend aus: Während zehn Parlamentarier dafür stimmten, den Quadratmeterpreis für das neue Baugebiet Vor der Warthe auf 89 Euro pro Quadratmeter festzulegen, entschied sich die Mehrheit von 14 Stadtverordneten für 95 Euro. Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn hatte ursprünglich einen Preis von 85 Euro vorgeschlagen. Der Magistrat einigte sich in seiner Sitzung auf 89 Euro.

Dem Haupt- und Finanzausschuss war das zu wenig. Der Ausschuss empfahl am Montag 95 Euro. Man habe hier die Chance, ein bisschen Geld für den Etat zu vereinnahmen, sagte Andreas Mander von der SPD. Schließlich seien die Plätze schon so gut wie verkauft.

Auch Adrian Probst von der CDU und der parteilose Armin Pfeiffer sprachen sich für 95 Euro aus. „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, widersprach Dr. Bärbel Mlasowsky von der UFW. Durch Steuererhöhungen im aktuellen Etat sei die Attraktivität der Stadt ohnehin schon gesunken.

Man müsse bei der Baulandvermarktung die Bürger im Auge behalten.

Von Bea Ricken

 

Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteurin Bea Ricken:

"Kurzsichtig und unsozial"

Der demografische Wandel sitzt den Kommunen wie ein Schreckgespenst im Nacken. Es werden Berechnungen angestellt, Strategien entwickelt und Reden geschwungen.

Ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören. Eine zugleich wirkungsvolle wie einfache Maßnahme wird nämlich vollkommen außer Acht gelassen: Junge ansiedlungswillige Familien dauerhaft zu binden, in dem man ihnen bezahlbares Bauland anbietet. Wenn aber ein Grundstück schon fast 100.000 Euro kostet und ein kleines Standard-Haus samt Baunebenkosten nicht unter 200.000 Euro zu haben ist, müssen sich Familien, in denen in der Regel nur einer verdient, vom Eigenheimtraum verabschieden.

Die Grundstücke in Wolfhagen zum stolzen Preis auf Kasseler Niveau von 110 Euro pro Quadratmeter anzubieten, hat jedenfalls Familien in die Flucht geschlagen - und zwar dauerhaft raus aus der Stadt. Ich kenne sie persönlich.

Zierenberg macht es nicht viel besser. Einnahmen durch einen Quadratmeterpreis, der deutlich über dem Selbstkostenpreis liegt, sollen aktuell den klammen Zierenberger Haushalt pushen. Das ist zwar ein hehrer Ansatz, im Ergebnis aber nicht nur unsozial, sondern leider auch kurzsichtig. Die ersten Familien haben bereits kundgetan, unter diesen Umständen nicht mehr bauen zu können - jedenfalls nicht in Zierenberg.

 

In einer veralteten Version des Artikels war fälschlicherweise von Oberelsungen statt Zierenberg die Rede. Das ist FALSCH. Die Autorin, Bea Ricken, ist nicht für diesen Fehler verantwortlich. Der Fehler passierte während der technischen Bearbeitung. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Quelle: HNA

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