Kommentar: Schicksalsstunde im Wieragrund

Nie war das eindeutig mehrheitliche Bekenntnis zum Einkaufszentrum Wieragrund in seiner geplanten Gestalt so groß, nie das Zutrauen in die Realisierung so angeknackst: Zu einer Stunde der bitteren Wahrheit geriet die Parlamentssitzung.

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Denn was immer lauter gemunkelt wurde, ist wahr: Den Investoren fehlen für ihr Millionenvorhaben ein paar Fitzel Land, kaum 500 Quadratmeter, mickrig wie drei Hinterhofgärtchen. Auf den drei Parzellen hat ein Schwalmstädter die Hand und macht bitterernst. Wenn es nicht gelingt, diese Eigentumsfrage zu lösen, wird das Einkaufszentrum ganz anders aussehen, als gedacht. Was als glanzvolles, großzügiges Projekt startete, könnte als knapp durchschnittliche Minimallösung landen, die wenige hinterm Ofen hervorlocken wird. Das unterstrich Philipp Zmyj-Köbel von der CDU nachdrücklich. Ob und wie die Stadt oder einzelne Akteure hier etwas bewegen können, wie die CDU es nun vorschlägt, ist die große Frage der der kommenden Wochen.

SPD-Fraktionschef Michael Schneider schickte einen schrillen Weckruf an die Versammlung: Wenn nicht jetzt gebaut wird, dann wohl nie, lautete der sinngemäß. Und Schneider sprach den oder die großen Unbekannten an, die Drahtzieher im Verborgenen, über deren Existenz und Beweggründe aber nur spekuliert werden kann.

Glasklar wurde, dass die Mahner und Zauderer, allen voran die Fraktion von Bündnis 90/Grüne, ganz unfreiwillig denen in die Hände spielen, die aus Profitstreben oder - möglicherweise - verdeckten Motiven gegen das Projekt arbeiten. Mögen die öffentlichen Skeptiker auch gute Gründe haben, diese wohl unbeabsichtigte und doch unheilvolle Union der Zweifler mit den Verhinderern droht jetzt dem schönen Schwan die Flügel zu brechen und zum hässlichen Entlein zu stutzen, und zwar gegen den Willen der großen Mehrheit der ganzen Stadt.

Ein Kommentar von Anne Quehl

Quelle: HNA

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