HNA-Interview

Finanzamtschef über Vereine und deren Probleme mit der Steuer

Weiß, was zu tun ist: Thomas Hesse und seine Mitarbeiter wollen Vereine unterstützen. Foto: Dewert

Schwalm-Eder. Es gibt große und kleine Vereine, Sportvereine, Kulturvereine, Fördervereine und viele andere im Schwalm-Eder-Kreis. Doch alle eint ein Thema: die Steuererklärung. Alle drei Jahre müssen Vereine diese abgeben.

Zur Vereinsbesteuerung hatte das Finanzamt Schwalm-Eder gemeinsam mit dem hessischen Finanzministerium eine Informationsveranstaltung in der Homberger Stadthalle angeboten. 533 Gäste waren gekommen. Wir sprachen mit dem Chef des Finanzamtes in Fritzlar, Thomas Hesse.

Gemeinnützige Vereine und Steuern, so hieß eine Informationsveranstaltung für Vereine. Der Staat braucht Geld, mehr denn je. Will das Finanzamt nun auch den Vereinen an den Kragen?

Thomas Hesse: Ich sehe das anders: Wir wollen Vereinen gerade nicht an den Kragen. Wir wollen von denen, die am Gemeinwohl orientiert sind, eher keine Steuern. Die Aufgaben, die sie übernehmen, sind Staatsaufgaben. Das trifft auf Feuerwehren genauso zu wie auf Sportvereine oder Kulturvereine. Daher genießen Vereine eine umfangreiche Steuervergünstigung. Sie müssen nur alle drei Jahre ihren Nachweis erbringen.

Was sind die häufigsten Fehler, die Vereine im Umgang mit dem Finanzamt machen?

Hesse: Häufig werden die Abgabefristen nicht eingehalten oder die Angabe bei der Zweckbestimmung ist unzutreffend. Es gibt für bestimmte Zwecke Förderungen, dieser Zweck muss aber ausdrücklich beschrieben werden. Eine genaue Beschreibung der Tätigkeiten ist erforderlich, um die Gemeinnützigkeit anzuerkennen. Wenn es einen Verein seit 100 Jahren gibt, dann verändern sich die Zwecke. Etwa wenn ein Gesangverein nun auch kirchliche Aufgaben wahrnimmt. Doch diese Veränderung wird oft nicht in die Satzung aufgenommen. Vereine sollten unbedingt darauf achten, dass eine Anpassung der Satzung erfolgt. Sofern ein gemeinnütziger Verein sogenannte Aufwandsspenden bescheinigen möchte, bedarf es einer entsprechenden Satzungsklausel.

Schicken Sie den Vereinen eigentlich auch Steuerfahnder ins Haus?

Hesse: Dass die Steuerfahndung bei gemeinnützigen Vereinen ermittelt, kommt praktisch nicht vor. Aber ausschließen kann man das nie. Wir hatten vor ein paar Jahren im Schwalm-Eder-Kreis einen Fall, in dem sich eine Organisation als gemeinnütziger Verein getarnt hatte. Dann wird auch die Fahndung tätig.

Und wann wird die Steuerfahndung noch tätig?

Hesse: Im wesentlichen haben die Steuerfahnder zwei Aufgaben: Sie ermitteln bei unbekannten Sachverhalten und bei Steuerstrafverfahren. Grundsätzlich gilt, wer sich nichts zu schulden kommen lässt, muss auch keine Fahndung fürchten.

Worauf sollte ein Verein im Umgang mit dem Finanzamt achten?

Hesse: Neben der Einhaltung der Fristen sollten die aktuelle Satzung, die Protokolle der vergangenen drei Jahreshauptversammlungen und die Gewinnermittlung mitgeschickt werden. Wenn die Unterlagen vollständig sind, dann läuft die Bearbeitung auch reibungslos.

Haben sie einen besonderen Tipp für die Vereine?

Hesse: Klar! Alle Vereine, auch sehr kleine, sollten die Protokolle der Jahreshauptversammlungen umgehend schreiben und nicht vernachlässigen. Außerdem sollte man den Kontakt zum Finanzamt halten. Wer frühzeitig seine Fragen stellt, gerät nicht unter Druck. Wenn es aber eilig wird und sogar die Aberkennung droht, dann wird es brenzlig.

An wen kann sich ein Verein in Sachen Vereinsbesteuerung wenden?

Hesse: Der einfachste Weg ist, sich über die Telefonnummer 05622/8050 mit einem Vereinssachbearbeiter verbinden zu lassen. Wir haben an unseren drei Standorten in Fritzlar, Melsungen und Schwalmstadt Vereinssachbearbeiter, die über diese Nummer erreicht werden können. Termine kann man sofort ausmachen oder Probleme auch direkt am Telefon klären.

Welche Veränderungen gibt es denn für Vereine?

Hesse: Die Freibeträge für Übungsleiter wurden von 2100 auf 2400 Euro erhöht. Diese Summe kann von Menschen, die im Verein aktiv sind, steuerfrei bezogen werden. Das trifft zum Beispiel auf Trainer zu. Auch die Ehrenamtspauschale wurde auf jetzt 720 Euro erhöht.

Haben die Vereine im Landkreis große Probleme mit der Steuer oder warum haben Sie zu der Veranstaltung eingeladen?

Hesse: Es ist einfach ein Service für Vereine. Wir wollen ihnen zeigen, dass wir sie unterstützen, sie ernst nehmen. Außerdem wird so der Kontakt vereinfacht. Es haben 533 Menschen aus 290 Vereinen teilgenommen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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